Anna, wie hart war der Weg bis an die Weltspitze?

Der Weg war nicht ganz leicht. Aber ich habe mir nicht von Anfang an das Ziel gesetzt, dass ich Weltspitze werden möchte. Ich bin einfach wahnsinnig gerne Klettern gegangen. Retrospektiv gesehen hat sich das alles ganz gut ergeben. Natürlich habe ich aber immer sehr hart daran gearbeitet und gekämpft!

Was ist dein Antrieb und Motor?

Mein Motor war und ist immer das Klettern an sich. Für mich ist es die perfekte Sportart! Klettern ist so vielseitig. Außerdem kann man den Sport in der freien Natur durchführen. Das ist eine immense Motivation, weil man einen super Tag draußen verbringen kann und trotzdem trainiert. Das Bouldern ist für mich sehr kreativ und abwechslungsreich. Wenn man auf der Matte steht und den Boulder ansieht, hat man ein Problem vor sich, das es zu lösen gilt.

Für Zuseher wirkt es unglaublich, wie sich Kletterer beim Bouldern ohne Seile oder Gurte halten können. Auf was kommt es dabei an – Technik, Kraft, Konzentration?

Es ist eine Mischung. Das Bouldern ist eine kraftbetonte Sportart, aber auch Koordination und Beweglichkeit spielen eine Rolle. Außerdem kann die Technik manchmal entscheidend sein. Und jeder Spitzensportler muss einfach 100 Prozent motiviert und konzentriert sein. Klettern ist auch Kopfsache!

Wie bereitest du dich auf einen Wettkampf vor?

Das Training für die neue Saison fängt bei mir im Winter an. Ich klettere zuerst viel in der Halle, dann draußen am Felsen und bin auch mit Seil, also beim Sportklettern, unterwegs. Je näher die Wettkämpfe kommen, desto mehr Hallentraining ist dabei. Direkt beim Bewerb ist mein Rezept die Musik. Ich setze meine Kopfhörer auf, versuche mich voll zu konzentrieren und in die richtige Stimmung zu kommen. Wenn ich dann vor dem Boulder stehe, versuche ich die richtige Lösung zu visualisieren und diese dann an die Wand zu bringen.

Wie schaffst du es, dich zu überwinden?

Klettern an sich ist nicht gefährlich. Man muss zwischen den einzelnen Disziplinen unterscheiden – das macht ja auch die Vielfältigkeit von Klettern aus. Beim Sportklettern ist man mit einem Seil gesichert, die Wände im Wettkampf sind circa 18 Meter hoch. Während man beim Bouldern auf circa vier Meter hohe Wände klettert und mit Matten gesichert ist.

Beim Klettern denke ich nur an den nächsten Zug. Wenn du ans Fallen denkst, hast du schon verloren! Ich gehe die Züge zwar vorher im Kopf durch, aber manchmal passiert es, dass ich es dann beim Bouldern anders mache. Man braucht neben dem Bewegungsgefühl auch eine gewisse Spontanität.

Hast du Tipps für all jene, die gerne mit dem Klettersport beginnen möchten?

Der beste Start ist sicherlich, in die Kletterhalle zu gehen und sich den Klettersport einmal näher anzusehen. Was die Sicherheitsaspekte betrifft, ist es wichtig zu erlernen, wie man mit dem Seil umgeht. Dieser Aspekt fällt beim Bouldern zwar weg, aber es ist sicher am besten, wenn man zunächst einen Grundkurs macht, um die Technik kennenzulernen. Außerdem kann man herausfinden, ob der Sport einem überhaupt gefällt. Wenn man sich beim Klettern wohlfühlt, dann viel Klettern gehen! Der Rest ergibt sich dann von selbst.

Du bist zwischen Trainings und Wettkämpfen viel unterwegs. Wie ist das, wenn man ständig auf Achse ist?

Ich bin in Innsbruck zu Hause. Das ist mein Anker! Für mich ist es wichtig, dass ich ein Zuhause habe, wo ich mich wohlfühle und wo Freunde und Familie sind. Aber natürlich bin ich sehr gerne und sehr viel auf Achse. Ich bin über die Hälfte des Jahres bei Trainings, Bewerben und bei Felsklettertrips auf der ganzen Welt unterwegs. Felsen gibt es ja schließlich überall! Das Schöne daran ist, dass es immer wieder Plätze gibt, die man noch nicht kennt und Felsen, die man noch erkunden möchte. Ich lerne gerne neue Felsen kennen – das Unbekannte macht den Reiz aus!

Welche Bedeutung hat Mobilität im sportlichen, aber auch im privaten Bereich für dich?

Mobilität ist für mich sportlich gesehen extrem wichtig! Mobilität und Spontanität geben sich da die Hand. Ich habe die Möglichkeit spontan irgendwohin zu fahren. Wenn etwa morgen das Wetter in der Schweiz gut ist, dann fahren wir dorthin. Wenn man mobil und spontan ist, dann kann man die lässigsten Trips haben!

Welchen Stellenwert hat Ernährung für dich?

Jeder Athlet versucht, sich gesund zu ernähren. Auch ich versuche meine Ernährung ausgewogen zu halten. Es ist für mich aber auch wichtig, nicht auf Schokolade oder Gummibärlis verzichten zu müssen, sondern da gönne ich mir schon einmal etwas. Ich bin nicht zu streng zu mir, vielleicht habe ich einfach gute Gene? Für einen gesunden Lebensstil ist es, glaube ich, generell wichtig, sich zwar ausgewogen zu ernähren, aber auch das zu essen, was einem gut tut.

Nach anstrengenden Trainings und Wettkämpfen: Wie füllst du deine leeren Tanks wieder auf?

Nach einem anstrengenden Wettkampf ist natürlich Party angesagt! Man kann zusammen mit anderen Athleten feiern und sich in lockerer Atmosphäre kennenlernen. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Am Tag darauf gehe ich nicht klettern, sondern spanne zu Hause aus oder begebe mich auf die Rückreise. Wenn bei einem Wettkampf einmal etwas nicht so gut geklappt hat, versuche ich mich nicht zu lange damit zu beschäftigen. Es ist viel wichtiger, dann gezielt auf seine Stärken zu schauen!