Joey Kelly
Ausdauersportler
 

Joey Kelly, quer durch Deutschland, die USA, Namibia, Kanada und Alaska – das sind nur einige der extremen Wege, die Sie als Ausdauersportler bisher gegangen sind. Wie kommt’s, dass Sie nicht einfach Ihre tägliche Runde durch den Park joggen?
Ich kam per Zufall zum Ausdauersport. Über eine Wette, dass auch ich einen Jedermann-Triathlon bestreiten könnte. Meine Leidenschaft für den Sport ist seitdem ungebrochen.

 

Finden Sie die Bezeichnung Extremsportler für sich treffend?
Nein. Ich mache zwar auch Wettkämpfe über extreme Distanzen oder unter extremen Bedingungen wie bei minus 30, 40 Grad am Südpol zu laufen oder bei 50 Grad Hitze in der Wüste – aber das ist geplanter Ausdauersport mit kalkulierbarem Risiko. Extremsportler sind für mich Basejumper oder Tiefseetaucher.

 

Welche Rolle spielt Disziplin in Ihrem Sport?
Training, Wettkämpfe, das bedeutet Disziplin. Ich mag das. Disziplin ist für mich nichts Anstrengendes. Ich lebe gerne so … diszipliniert (lacht).

 

Wie motivieren Sie sich auf halber Strecke, wenn weder Start noch Ziel in Sicht sind?
Mit Mathematik. Ich wähle mir Zwischenziele. Bei einem Marathon sage ich mir nach 20 Kilometern, dass ich bereits die Hälfte geschafft habe. Die rein mathematische Aufteilung der Distanz in kleine Abschnitte hilft mir, sie ganz zu bewältigen.

 

Ist Ihre Sportart eigentlich gesund – würden Sie sie auch Ihren Kindern empfehlen?
Ausdauersport würde ich jedem jungen Menschen empfehlen. Absolut. Das Training diszipliniert, es stärkt den Körper. Und damit auch den Geist. Es macht fit. Nicht nur im engsten Sinn. Wettkämpfe wecken Ehrgeiz. Das macht zum Beispiel auch sozial fit. Klar, die Wettkämpfe sind nicht gesund…

 

Was bedeutet es Ihnen, an Ihre physischen und psychischen Grenzen zu gehen?
Der Weg zum Wettkampf und den Trainingsplan einzuhalten ist die eigentliche Herausforderung. Im Wettkampf schreit der innere Schweinehund laut und dann folgt der Zieleinlauf: Ich fühle mich jedes Mal wie beflügelt.

 

Sind Sie süchtig nach Extremsport?
Nein. Sucht hat sowas Negatives. Mein Sport macht Spaß.

 

Was treibt Sie von einer Challenge zur nächsten?
Die Freude am Sport. Aber ich bin auch gerne unterwegs. Ich verbinde mit dem Sport das Reisen in unbekannte Ecken dieser Welt. Auf andere Kulturen zu treffen, das ist ein zusätzlicher Reiz.

 

Wüste oder Eis? Was war die extremste Erfahrung während Ihrer bisherigen sportlichen Laufbahn?
Ehrlich? Mein Deutschlandmarsch 2010 von Wilhelmshaven bis zur Zugspitze. Zu Fuß. 900 Kilometer in vier Wochen. Ohne fremde Hilfe. Ich habe gegessen, was die Natur hergab. Die allzeit präsente Möglichkeit, auszusteigen – ist ja alles quasi direkt vor der Haustür – war eine riesige Herausforderung. Der innere Schweinehund war dabei extrem laut. Aber auch der Marsch durch den Amazonas war etwas ganz Besonderes. Dort ist der Mensch mal nicht der King. Eine ganz extreme Erfahrung …

 

Wie wichtig ist die optimale Ausrüstung?
Man sagt beim Triathlon, Ausrüstung sei die vierte Disziplin.

 

Ist Ihr Sport eher ein Teamsport oder eher etwas für einen Einzelkämpfer?
Ja schon, eher etwas für Einzelkämpfer.

 

Sind Sie einer?
Ja. Auf jeden Fall. Aber ich bin auch ein guter Teamplayer. 30 Jahre Kelly-Family waren eine Schule fürs Leben (lacht).

 

Früher waren Sie mit Ihrer Familie auf Tour, heute bringt Sie der Sport rund um die Welt. Wo fühlen Sie sich heimisch?
Ich fühle mich in ganz Europa zu Hause. Ich lebe gerne in Deutschland, in der Nähe von Köln. Heimat verbinde ich jedoch mit Irland. IRLAND … da sind die Wurzeln meiner Familie.

 

Vielen Dank für Ihre Offenheit, Joey!