Nach zwölf Saisonen im Skisprung-Weltcup, wie sehen da Ihre unmittelbaren Pläne im ersten „freien” Winter nach dem Karriereende aus?

Da ich die Entscheidung über mein Karriereende erst im September bekanntgegeben habe, war es erst einmal wichtig, Abstand vom Spitzensport zu gewinnen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich mich bewegen und sportlich aktiv bleiben möchte. Früher hatte ich dafür ein vorgegebenes, tägliches Trainingsprogramm, parallel dazu habe ich auf der Schanze meine Sprünge absolviert. Das alles fällt jetzt natürlich weg. Ich bin viel mehr auf mich selbst gestellt, kann alles eigenständig planen und einteilen.

Diese Selbstständigkeit gibt mir die Möglichkeit, Dinge zu tun, für die ich in den vergangenen Jahren aufgrund des Skispringens keine oder nur wenig Zeit hatte. Das erlaubt mir zum einen, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen, zum anderen aber auch Hobbies nachzugehen, die bislang zu kurz gekommen sind. Geplant habe ich zwar noch nichts, aber vielleicht geht sich in diesem Jahr auch ein kurzer Winterurlaub aus.

Was steht in diesem Winter auf Ihrem persönlichen Fitnessprogramm?

Skifahren steht da sicherlich ganz oben auf meiner Liste, weil es schon immer eine große Leidenschaft von mir war. Dafür nehme ich mir in diesem Winter bestimmt ausreichend Zeit. Dasselbe gilt für Skitourengehen und Langlaufen. Auch in meiner Kraftkammer zuhause werde ich einige Stunden pro Woche verbringen. Ich brauche das einfach, um mich wirklich fit zu machen und fit zu fühlen. Nur Skispringen steht nicht auf meinem Trainingsplan. Da ist es mir schon wichtig, jetzt einmal etwas Distanz zu dem Ganzen zu gewinnen. Den einen oder anderen Weltcupwettbewerb werde ich mir aber sicherlich im Fernsehen oder aber auch vor Ort anschauen. Wie es mir dabei als Zuschauer gehen wird, darauf bin ich schon gespannt.

Gibt es spezielle Abläufe oder Gewohnheiten aus Ihrer Zeit als aktiver Spitzensportler, die Sie beibehalten wollen?

Was ich sicherlich aus meiner aktiven Zeit beibehalten kann, ist, konsequent Ziele zu verfolgen. Wenn ich will, dass ich mich verbessere, entwickle, fitter werde, muss ich dranbleiben, sonst funktioniert es nicht. Das kann ich ganz grundsätzlich vom Profisport ins Alltagsleben mitnehmen. Etwas, das ich ebenfalls in meiner Zeit als Skispringer gelernt habe, und weiterhin anwenden möchte, ist, für mich selbst einen Plan zu haben und diesen beharrlich und mit der angesprochenen Konsequenz zu verfolgen. Nur so kann ich mich weiterentwickeln, sei es im Sport oder in anderen Bereichen. Generell möchte ich aber nicht zuviele Abläufe von früher übernehmen, sondern erst einmal abschalten und mich anderen Dingen widmen.

Worauf legen Sie, vor allem in Bezug auf Ihre Gesundheit, nach einer langen Karriere, die auch schwere Verletzungen mit sich gebracht hat, besonders Wert?

Es ist mir einfach wichtig, mich grundsätzlich fit zu fühlen, sowohl psychisch als auch physisch. Um das zu erreichen, betätige ich mich gerne körperlich. Nach meiner aktiven Karriere habe ich jetzt die Möglichkeit, jene Sportarten auszuüben, die mir Spaß machen. Dazu zählen für mich Skifahren und Tourengehen, die Bewegung in der freien Natur. Auf das harte Trainingsprogramm der letzten Jahre, die Kniebeugen mit 140 Kilogramm Gewicht etwa, kann ich dagegen gerne verzichten.

Welche Tipps geben Sie jemanden mit auf den Weg, der sich über die Wintermonate fit halten möchte?

Das Wichtigste ist, Spaß an dem zu haben, was man macht, egal ob man im Fitnessstudio trainiert oder Laufen geht. Das motiviert und pusht am meisten. Es ist vor allem im Winter oft eine Überwindung, nach einem langen Arbeitstag noch etwas für seine Fitness zu tun. Dennoch sollte man sich bewusst Zeit dafür nehmen, sich körperlich und geistig fit zu halten. Geduld und Kontinuität sind ebenfalls entscheidende Faktoren. Man darf nicht glauben, wenn man ein- oder zweimal trainiert hat, dass sich dann schon ein bemerkenswerter Trainingseffekt einstellt. So schnell funktioniert das leider nicht. Um motiviert zu sein und auch zu bleiben, hilft es immer, sich persönlich realistische Ziele zu setzen. Erreicht man die, gibt das weiteren Schwung, dranzubleiben und mit Freude weiterzumachen.