Wie sieht Ihr Programm an einem durchschnittlichen Trainingstag aus?

Das Prozedere ist meist sehr ähnlich: nach dem Frühstücken beginne ich mit dem Aufwärmen, da bringe ich meinen Körper in Schwung und mache dazu Stabilisationsübungen. Dann spule ich das Training mit Ausdauer- und Kraftübungen ab. Nach Duschen und Umziehen folgen Mittagspause und eine Phase der Regeneration. Am Nachmittag ist der zweite Trainingsblock angesagt. Die Zeit danach wird für andere organisatorische Arbeiten genützt.

Das schwächste Glied entscheidet ja bekanntlich auch im Sport. Wie gewichten Sie Ausdauer, Athletik, Kraft und Koordination optimal in der Vorbereitungsphase?

Bei uns Skifahrern spricht man gerne vom „Gesamtpaket“ und meint damit in erster Linie die körperliche Fitness und das Material. Aber auch das Gesamtpaket der vier Punkte muss auf jeden Fall passen. Das heißt, dass wir sowohl Kraft und Ausdauer, als auch Athletik und Koordination benötigen. Am wichtigsten sind meiner Meinung nach Kraft und Ausdauer.

Was bringt es mir, wenn ich die größten Muskeln habe, sie aber nicht mit genügend Sauerstoff versorgen kann? Athletik und Koordination sind natürlich auch entscheidend, lassen sich aber oft viel leichter verbessern.

Wie trainieren Sie in den wärmeren Jahreszeiten, um sich auf den Wintersport vorzubereiten?

Radfahren und Laufen sind im Sommer unverzichtbar geworden, natürlich steht auch die Kraftkammer täglich auf dem Programm. Seit heuer spiele ich vermehrt Tennis – weil es Spaß macht und ein gutes Training für Reaktion, Athletik und Koordination ist. Ins Ausland fahre ich dazu nicht, gerade im Sommer kann man ideal alles in Österreich trainieren. Erst mit den ersten Schneetrainings auf den Gletschern oder in Übersee sind wir außerhalb unseres Landes unterwegs.

Sind Sie jemand, der beim Training eher auf die Pulsuhr schaut oder hören Sie lieber auf Ihr Gefühl?

Ich habe die Pulsuhr schon immer dabei und nehme sie natürlich zur Kontrolle. Aber ich habe es mittlerweile sehr gut im Gefühl, ob ich zu hohen oder zu niedrigen Puls habe. Es ist nicht so, dass mein Blick ständig auf der Uhr hängt.

Welche Rolle spielt die Psyche im Training einer erfolgreichen Skirennläuferin?

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Psyche im Sport die halbe Miete ist. Wenn ich am Start stehe und ich das Gefühl habe, dass ich gewinnen kann, dann ist man meistens auch erfolgreich. Bei meinem ersten Weltcupsieg im März in der Lenzerheide habe ich am Start gewusst: Heute bin ich die Schnellste. Ich arbeite regelmäßig mit meinem Mentaltrainer zusammen, der spezielle Entspannungstechniken anwendet.

Verfolgen Sie auch einen speziellen Ernährungsplan?

Mein Ernährungsplan lautet: Iss von allem etwas. Ich bin der Meinung, dass es für mich kontraproduktiv wäre, wenn ich jetzt zum Beispiel auf Fleisch verzichten würde. Worauf ich schon großen Wert lege, sind regionale Produkte. Weil ich dann einfach mit gutem Gewissen weiß, woher die Lebensmittel kommen und dass sie auch viel gesünder sind.

Halten Sie sich wirklich jeden Tag an ausgewogene Ernährung oder darf auch eine Spitzensportlerin manchmal sündigen?

Es gibt immer einen Cheat Day, oder? Natürlich muss es auch erlaubt sein, dass man zwischendurch mal zu Schokolade greift. Selbst ein Burger wird hin und wieder nicht schaden – es kommt eben auf die Menge und Häufigkeit an.

Nehmen Sie bestimmte Nährstoffe über Nahrungsergänzungsmittel zu sich?

Magnesium ist das einzige Mineral, das ich über Nahrungsergänzungsmittel zu mir nehme. Das war schon früher immer so, das brauche ich einfach. Sonst sollten alle wichtigen Nährstoffe über meine Ernährung abgedeckt sein.

Welchen Trainingstipp können Sie jemandem geben, der seine sportlichen Leistungen steigern will, aber nicht auf ein professionelles Beraterteam zurückgreifen kann?

Einfach immer motiviert bleiben und nicht die Lust am Training verlieren! Viele machen den Fehler, dass sie am Anfang übermotiviert sind, in den ersten Einheiten alles zerreißen wollen und dann die Lust verlieren, wenn der Fortschritt nicht so schnell ersichtlich ist. Ich finde es ist besser, etwas langsamer anzufangen und dafür immer dabei zu bleiben – egal welchen Sport bzw. welches Training man macht.