Markus Bock
Sportkletterer

 

 

Hat sich Deine Motivation für das Klettern im Laufe der Zeit gewandelt?
Meine Gründe für das Klettern sind immer gleich geblieben: mir taugt dieser Sport. Ich hab ihn in der Natur gelernt und er findet für mich auch in der Natur statt. Das Hallenklettern drinnen ist für mich nur zu Trainingszwecken, um draußen Leistung abrufen zu können. Es geht mir im Allgemeinen um das Ausloten meiner Grenzen. Ich mag die Spannung, ob ich an diesen Limits Erfolg haben kann oder nicht. Mit dem Klettern hab ich immer versucht, Hobby und Beruf zu verbinden. Ich arbeite schon seit vielen Jahren in der Bergsportbranche und kann mir auch nichts anderes vorstellen. Eine Zeit lang bin ich Wettkämpfe geklettert, weil das eben ein Aspekt des Klettersports ist. Ich hab es  zwar nie darauf angelegt, wurde aber einmal Jugendweltmeister – das zu erreichen war damals sicher leichter als heute. Solche Erfolge zu erzielen war für mich jedoch nie der ausschlaggebende Punkt. Für mich zählt der innere Ehrgeiz und der Weg raus in die Natur.

 

Musstest Du viel Technik trainieren, um so gut werden zu können?
Der Erfolg hängt in diesem Sport sehr von Talent und Motivation ab. Ich hab das Glück einer physischen Konstitution, mit der ich durch relativ wenig Training relativ weit komme. Aber klar: wenn man sein Level halten will, muss man am Ball bleiben.

 

Wenn du das Klettern draußen in der Natur liebst, wie kommst du dann über den Winter?
Der Winter ist hart. In unseren Breiten kann man dann von Mitte November bis März kaum bzw. schlecht klettern. Für mich bedeutet das, entweder unter der Woche in der Halle oder im eigenen Boulderraum im Keller zu trainieren. An den Wochenenden fahr ich zum Klettern auch öfter mal in den Süden, an den Gardasee zum Beispiel.

 

Wie ernährst du dich unterwegs am Felsen bzw. vor oder nach Kletterrouten?
Ich brauch am Felsen relativ wenig. Wasser ist immer dabei und ein Riegel zwischendurch, das reicht. Aber ob Schoko- oder Sportriegel, das geht beides, je nach Laune. Es kann auch mal eine Banane sein. Wichtig sind für mich immer wieder kleinere Mahlzeiten.

 

Was unterscheidet Klettern vom Bouldern (für dich)?
Klettern geh ich mit langjährigen Kletterfreunden, bouldern geh ich, wenn ich allein sein mag und brauch auch beides. Es gab mal eine Zeit, da hielten sich Klettern und Bouldern die Waage, mittlerweile verhalten sich Klettern zu Bouldern etwa 70:30.

 

Wie kommen junge Menschen an den Felsen, wie würdest die Lust darauf schüren?
Das ist ein zweischneidiges Schwert: Natürlich wünsch ich jungen Menschen mehr Naturverbundenheit, aber sie für das Klettern zu motivieren, birgt die Gefährdung der Felsen und umgebenden Wälder. Die derzeitigen Kletterkonzepte sind nur entstanden, weil die Natur an den Kletterfelsen oft vermüllt zurückgelassen wird, die Felsen überlaufen sind. Wir haben bereits als Kinder zusammen mit der Kletterei gelernt, die Natur zu achten und eigenen Müll immer wieder mitzunehmen. Ich bin also gar nicht so erbaut, wenn zu viele Leute rauskommen und meine, dass viele Sportkletterer besser auch in der Halle bleiben, weil ihnen die Verbindung zwischen Natur und Klettern gar nicht so bewusst ist. Hat ein Mensch ein Gespür für Natur, wohnt dem eigentlich automatisch der Drang inne, rauszugehen. Es geht um Natürlichkeit.