Thomas und Alexander Huber
Extremsportler
 

Die Liebe zu den Bergen scheint bei Ihnen vorprogrammiert gewesen zu sein?
Unser Vater ist nach wie vor ein begeisterter Bergsteiger und war für uns immer schon ein Vorbild. Er hat uns oft von seinen Abenteuern erzählt und das hat uns auch sehr neugierig werden lassen. Wir haben beide viele Bergbücher gelesen, um noch mehr in diese Welt eintauchen zu können. Das ist natürlich ein recht romantischer Zugang. Aber diese Faszination war schon sehr früh da und hat uns auch nicht mehr losgelassen. Wir waren immer schon sehr neugierige Kinder und neugierig darauf, neue Geschichten zu kreieren. Egal, ob das jetzt ein Ausflug in die Berge war oder der Versuch ein Kettcar mit einem Rasenmäher-motor aufzurüsten.

 

Steht für Sie das Abenteuer oder das Natur-Erleben im Vordergrund?
Ich bin mitten in der Natur, in Palling, in einem kleinen Bauerndorf auf einem Hof aufgewachsen, also zwangsläufig sehr naturverbunden. Es war einfach sehr faszinierend, den Lauf der Natur erleben zu dürfen: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ich war von Anfang auch begeisterter Skifahrer, Wanderer, Tourengeher, Bergsteiger und Kletterer – das kam ganz automatisch. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob das einmal zum Beruf werden würde. Wir wollten einfach so viel Zeit wie möglich beim Klettern verbringen. Die Natur war für uns immer schon unser Spielplatz, der Ort, wo wir der Leidenschaft, etwas zu erleben, nachgehen. Wir sind auch ganz anders an das Klettern herangegangen als heutige
Generationen. Drinnen waren wir nur, um an Holzleisten zu  trainieren. Das ist nicht negativ gemeint. Dass so viele Menschen in die Kletterhallen gehen, ist sicherlich eine positive Entwicklung. Aber das Abenteuer war für uns immer in der Natur, immer draußen.

 

Was würden Sie KletteranfängerInnen raten?
Der beste Tipp ist sicherlich, es nicht so zu machen wie wir. Das war nicht immer ungefährlich. Am besten geht man in eine Kletterhalle und macht dort einen Kurs, um in einer sicheren Umgebung grundlegende Fertigkeiten zu erlernen. Disziplin ist wichtig, aber gleichzeitig darf man dabei nicht verbissen sein. Es ist einfach ein tolles Erlebnis, sich selbst zu entdecken, zu sehen, wie schnell man sich in kürzester Zeit steigern kann, wenn man Freude an dem hat, was man tut. Wenn das der Fall ist, kommt die Disziplin ganz von allein. Dann muss man auch nicht trainieren, sondern man wird quasi trainiert. Ein „Muss“ sollte es nicht geben. Ich gehe natürlich auch trainieren und laufe auf einen Berg. Aber wenn ich da hochlaufe, dann gern. Weil ich mich einfach gern bewege, weil das zu meinem Leben dazu gehört, weil es großartig ist, seinen Körper zu fühlen und das Herz schlagen zu spüren. Wenn ich nur auf der Couch liege, werde ich meinen Puls nie spüren, esse zu viel und werde phlegmatisch.

 

Welche Rolle spielen Angst und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten?
Egal ob Anfänger oder Profi und egal ob Speed, Free oder Big Wall Climbing: Man muss wissen was man tut, dann ist es sicher. Man muss der Gefahr bewusst begegnen und muss mit seinen Ängsten positiv umgehen. Die Angst hilft einem rasch wichtige Entscheidungen zu treffen. Gefährlich wird es dann, wenn ich glaube, es kann nichts passieren. Das gilt aber überall: Ich sage immer, die größten Deppen haben die schönsten Hänge vor sich. Leider Gottes erwischt es dabei auch sehr viele. Im Moment sind die Verhältnisse auch sehr gefährlich und die Lawinengefahr ist allgemein sehr hoch. Beim Schifahren abseits der Piste steht bei mir immer der Verzicht im Vordergrund. Wenn nicht alle Komponenten stimmen, dann sag ich „nein“. Das gilt natürlich auch bei anderen Sportarten: Lernen „nein“ zu sich selbst zu sagen. In der Kletterhalle ist zwar das Risiko geringer, aber auch da muss ich wissen, was ich tue.

 

Wie bereiten Sie sich auf ihre Expeditionen vor?
Da steckt natürlich sehr viel Planung und auch Training dahinter. Wir arbeiten da mit vielen Leuten und Firmen zusammen. Mit Partnern vor Ort, aber auch mit unserem Bekleidungs-Ausrüster. Ernährung ist natürlich auch wichtig. Meistens braucht man auch Spezialernährung - gefriergetrocknete Sachen, Energy-Drinks und Müsliriegel - um den enormen Kalorienverbrauch zu decken. Insgesamt halten sich Planung und Training die Waage. Momentan bin ich viel in der der Kletterhalle unterwegs, geh aber auch Schitouren. Ich bin aber auch gern beim Powdern. Man soll das Leben nicht so ernst nehmen, sondern auch Spaß haben.

 

Neben dem Klettern sind Sie auch Sänger einer Stoner-Rock Band?
Wir haben zwar eine CD aufgenommen, aber machen das natürlich nicht auf Profi-Ebene. Wenn ich kein Bergsteiger wäre, würde kein Hahn danach krähen. Wir wollen auch keine Chart-Stürmer sein und wissen was wir können. Uns macht die Musik einfach Spaß.

 

Gemeinsam mit Bruder Alexander zeigen Sie auch immer karitatives Engagement.
Ja, da kommen viele Leute auf uns zu. Da sortieren wir aus, was zu uns passt und wenn wir helfen können, machen wir das gern. Zum Beispiel für die Kampagne für Minenopfer „Zeig dein Bein“ oder die Stiftung Atemwege. Wir unterstützen auch Klettern für Menschen mit Behinderungen. Vor kurzem habe ich auch Motivationsvorträge vor Insassen von Jungendvollzugsanstalten gehalten, um denen mitzugeben, dass das Leben eben nicht vorbei ist, wenn man einmal falsch abgebogen ist. Das hat mir großen Spaß gemacht und das werde ich weiterverfolgen.

 

Sie stecken gerade in den Vorbereitungen für ihr nächstes Abenteuer?
Ich starte in zwei Tagen nach Patagonien. Ziel ist das Dorf El Chalten. Dort gibt es wahnsinnig tolle Berge. Ein konkretes Ziel gibt es aber noch nicht. Ich hab gelernt, der größte Fehler ist es, sich zu früh einem Ziel zu verschreiben. Ich freu mich schon mal einfach dort hin zu fahren und zu schauen, was dort passiert. Das ist mittlerweile, neben dem Berchtesgardner-Land, fast meine Lieblingsgegend zum Klettern.

 

Verreisen Sie auch manchmal ohne Kletterabsicht?
Ja, ich bin natürlich auch gern mit der Familie unterwegs, einfach einen schönen Urlaub genießen. Ich reise überhaupt gern. Aber wenn ich das allein mache, dann hat das auch immer mit Bergsteigen zu tun.

 

Wann sind sie wieder mit Ihrem Bruder unterwegs?
Im Sommer fahren wir gemeinsam ins Karakorum. Der Trip musste leider aufgrund der politischen Situation in Pakistan schon mal abgesagt werden. Jetzt wollen wir aber noch einmal einen Versuch auf die Latok 1 Nordwand starten. Im Moment stecken wir mitten in der Planung.

 

Bei Ihnen wurde vor einigen Jahren ein Tumor an der Niere festgestellt. Sie scheinen das gut weggesteckt zu haben?
Wenn einem ein Unfall passiert oder man eine Niederlage erleidet, muss man das annehmen. Das ist der Schlüssel zum nächst Höheren. Menschen, die das nicht tun, fallen in eine Depression. Diesen Tumor und die Operation zu bewältigen war aber eine der größten Herausforderungen und eines der einschneidendsten Erlebnisse. Es war gottseidank ein gutartiger Tumor aber alles was ich bis dahin erlebt hatte, hat sich relativiert. Da merkt man plötzlich, die absolute Basis ist der Körper. Ich hab aber gutes Heilfleisch, weil ich mental sehr positiv angelegt bin. Ich glaube immer an das Gute und das Perfekte. Ich motiviere mich ständig und gebe niemals auf. Ich habe jeden Tag und jede Stunde genützt, um wieder fit zu werden. Mit ganz langsamen Schritten. Jetzt sind wir schon wieder bei der Disziplin. Die kann man eben nicht erzwingen, die muss aus dem Feuer der Leidenschaft kommen.