Aller Anfang ist vermutlich auch beim Bergsteigen schwer - wann beginnen Sie sich auf eine Expedition vorzubereiten?

Da gibt es keine Pauschalantwort. Manche Projekte verfolgt man über Jahre. In der Regel beginnt man aber ein halbes Jahr vorher, eine solche Begehung zu organisieren.

Und wie sieht so eine Planung im Einzelnen aus?

Vorab unternimmt man alles, damit das Unternehmen von Beginn an reibungslos abläuft. Meine Partner und ich planen unsere Route am Berg, mit einer Agentur im jeweiligen Land bereitet man die Expedition vor. Schließlich kann man von Europa aus nicht alles organisieren. Je besser man auf alle Szenarien vorbereitet ist, desto weniger kann schiefgehen.

Kann man im Zweifelsfall noch Versäumnisse nachholen?

Das ist äußerst schwierig. Schließlich ist unser Basislager meist ein paar Tagesmärsche von der Zivilisation entfernt. Da kann man nicht schnell etwas nachbestellen oder neu kaufen. Das kleinste Detail, das man vergisst, kann am Ende entscheidend sein.

Bei der Vorbereitung informieren Sie sich wohl auch über die Lage vor Ort?

Ja, natürlich. Man versucht so viele Infos wie möglich einzuholen, um mit dem Gelände vorab vertraut zu werden. Man schaut sich auf Fotografien das Massiv von allen Seiten an und versucht die Gefahren des Berges zu lesen: Inwiefern ist mit Eisschlag zu rechnen? Wie brüchig ist der Fels? Zudem tausche ich mich mit anderen Bergsteigern aus, falls in der Gegend schon jemand unterwegs war.

Man kennt dann also den Berg in- und auswendig, wenn man die Expedition beginnt?

So einfach ist es nicht. Wenn man vor Ort ist, muss man diese Informationen aktualisieren: Wie unterscheidet sich der Berg in der Praxis von dem, was man sich durch Recherche vor Augen geführt hat? Hier kann es grobe Abweichungen geben, gerade was den Gletscher oder die Schneeverhältnisse betrifft.

Und was muss ein Bergsteiger körperlich mitbringen? 

Bei  der Besteigung eines Bergs kommt es für mich vor allem auf die Ausdauer an. Man muss in der Lage sein, über einen längeren Zeitraum unter extremen Verhältnissen eine konstant hohe Leistung abzurufen. Die physische Komponente einer Besteigung, dass man über mehrere Tage hinweg auch in schwierigem Gelände möglichst viele Höhenmeter schafft, ist wichtig. Aber erst wenn der Kopf das mitträgt, kann man schaffen, was man sich vorgenommen hat. Leidensfähigkeit ist beim Bergsteigen ein großes Thema und daher gleichermaßen wichtig.

Wie bereiten Sie selbst sich sportlich auf sein Projekt vor?

Ich versuche mich das ganze Jahr über fit zu halten, aber intensiviere das Training vor einer Expedition selbstverständlich. Durch meine Vergangenheit als Sportkletterer habe ich mir ein recht hohes Grundniveau erarbeitet. Ich bin eigentlich das ganze Jahr über mit ein oder zwei Expeditionen als Höhepunkt unterwegs, aber auch insgesamt sehr aktiv: Im Sommer unternehme ich leichtere Alpintouren und Überschreitungen von mehreren Bergen. Im Winter mache ich vor allem Skitouren. Aber ich treibe nicht nur in den Bergen Sport – zum Beispiel surfe ich auch sehr gerne.

Es schadet einem Bergsteiger wohl auch, wenn er schnell krank wird. Wie sorgen Sie für Ihre Gesundheit?

Wenn man etwas auf seinen Körper hört, kann man meiner Meinung nach gut vorsorgen. Ich selbst achte vor allem auf eine ausgewogene Ernährung, aber sehe das auch nicht völlig verkniffen: Einen Burger darf es schon auch einmal geben.

Was war in Ihrer Karriere der bisher größte Erfolg?

Begehungen lassen sich meiner Meinung nach nur subjektiv vergleichen: Jeder Berg ist  anders und vor allem durch die Wetterverhältnisse und Bedingungen unterscheiden sich alle Expeditionen voneinander. Am meisten an mir selbst arbeiten musste ich wohl für die freie Begehung des Cerro Torre in Patagonien: Peter Ortner und ich haben es 2012 nach zwei gescheiterten Anläufen als erste geschafft. Bis dahin wurde es für unmöglich gehalten.

Und wohin führt Sie Ihre nächste Expedition?

Mit dem amerikanischen Bergsteiger Conrad Anker möchte ich den Lunag Ri besteigen. Das ist ein fast 7000 Meter hoher Berg in Nepal, auf dessen Gipfel es bislang noch niemand geschafft hat. Letztes Jahr haben wir es schon einmal versucht, mussten aber 300 Meter vor dem Ziel umdrehen.

Woran ist es gescheitert?

Dieser Berg ist von allen Seiten sehr schwer zu besteigen. Die Kletterei ist anspruchsvoll, aber auch die Temperaturen haben uns zu schaffen gemacht. Das Wetterfenster, das wir kalkuliert hatten, reichte letztlich nicht aus. In der Höhe herrschten am Ende über -30 Grad und wir hätten für die letzten dreihundert Meter wohl noch einen ganzen weiteren Tag gebraucht.

Trotzdem versuchen Sie es jetzt noch einmal?

Auf dem, was wir damals erlebt haben, kann man ja aufbauen. Ich schaue ohnehin immer lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit – so auch dieses Mal.