• TANJA FRANK
  • THOMAS ZAJAC
Tanja Frank
© Foto: Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing

TANJA FRANK

Mit 24 Jahren haben Sie sportlich bereits einiges erreicht. War Olympia schon immer ein Traum von Ihnen?

Auf alle Fälle! Ich habe die Olympischen Spiele schon ganz früh im Fernsehen mitverfolgt. Vor allem die Eröffnungen und die Siegerehrungen waren für mich sehr spektakulär. Ich habe mir immer gedacht, wie cool es wohl wäre, auch selber einmal dabei zu sein!

Wie war das Gefühl dann, als Sie tatsächlich auf dem Podest standen?

Wir haben uns relativ früh qualifiziert, doch der Weg nach Rio hat seine Zeit in Anspruch genommen. Es war immer eine riesige Vorfreude da, aber es ist im Endeffekt auch wieder sehr schnell vorbei gewesen. Selbst bei der Siegerehrung hatten wir unseren Erfolg eigentlich noch nicht richtig realisiert.

Ich habe mir im Fernsehen noch die restlichen Bewerbe und Siegerehrungen angesehen und mir dann gedacht: Wow, da oben bin ich auch gestanden!

War das schon im wahrsten Sinne des Wortes Ihr persönlicher Olymp oder welche Herausforderung steht als nächstes an?

Naja, bei mir ist jetzt erst einmal eine neue Challenge angesagt. Ich fahre ein neues Boot mit einer neuen Partnerin und einer neuen Position am Boot. Damit habe ich eine große Herausforderung vor mir.

Inwiefern hat Rio Ihr Leben verändert – auch abseits des Segelns?

Nach Rio war die Nachfrage um uns als Personen relativ hoch. Das hat sich mit Beginn der Skirennen wieder gelegt (lacht). Jetzt ist alles wieder normal. Aber es ist schon cool, wenn man hin und wieder auf der Straße erkannt wird oder wenn man Autogramme schreibt. Das ist man als Segler eigentlich nicht gewöhnt.

Was fasziniert Sie am Segeln?

Am allercoolsten finde ich, dass man beim Segeln in der Natur ist. Segeln selbst hängt von so vielen Faktoren ab. Kein Tag ist gleich und Wind und Wellen sind immer anders. Es ist immer wieder eine neue Herausforderung und das ist die größte Faszination daran. Natürlich bin ich es heute schon mehr gewöhnt, aber früher war es auch etwas ganz Besonderes, wenn man nicht nur zu Hause segelte.

Was war der interessante Ort, an dem Sie gesegelt sind?

Rio war sicherlich das interessanteste seglerische Revier bislang, weil es so vielfältig ist. Draußen auf dem Meer sind hohe Wellen, näher an der Copa Cabana fast gar keine, dafür umso mehr Strömung und umso schwieriger. Es war extrem spannend!

Welche Tipps haben Sie für Segel-NeueinsteigerInnen?

Am allerwichtigsten ist, dass man Spaß an der Sache hat! Gerade wenn man es profimäßig betreiben möchte, ist man 250 Tage im Jahr unterwegs. Wenn man dann daran keinen Spaß hat, wird es wohl schwierig, es voll durchzuziehen. Beim Segeln ist immer alles offen – es kann wirklich bis zur letzten Wettfahrt, bis zu den letzten Metern alles passieren. Man darf einfach nie aufgeben!

Thomas Zajac

THOMAS ZAJAC

Vom Juniorenweltmeister bis zum Olympia-Bronzemedaillengewinner – wie hart war der Weg bis zu den sportlichen Erfolgen von heute?

Es war ein harter Weg! Ich habe ja schon von klein auf angefangen. Es ist aber ein riesiger Schritt vom Jugendsport in die Olympische Disziplin. Wir haben in Österreich alles gewonnen und waren auch international immer vorn dabei, aber Richtung Olympia war es doch ein hartes Stück Arbeit. Wir sind konsequent geblieben und haben immer daran geglaubt und gearbeitet – selbst wenn es einmal nicht so lief wie geplant.

Wie haben Sie die Olympischen Spiele vor Ort wahrgenommen?

Es war extrem cool! Wenn man sein ganzes Leben davon träumt, dort zu sein, und man ist dann bei der Eröffnung mit so vielen Nationen im vollen Stadion, dann durchfließt einen eine ganz besondere Energie. Es war ein sehr emotionaler und ergreifender Moment für mich. Ich habe in Rio wirklich jede Wettfahrt und jeden Moment genossen.

Wie sieht das Training als Segelsportler aus?

Wir haben im Jahr ein paar Wettkämpfe und trainieren die restliche Zeit, wobei wir viel auf dem Wasser und somit im Ausland sind. In Österreich eignet sich etwa der Neusiedler See oder Wolfgangsee gut fürs Trainieren – allerdings nur für den Jugendsport.

Für unsere Bedürfnisse sind Wellen und Salzwasser wichtig. Das bedeutet aber auch oft eine logistische Herausforderung, weil wir so viel Material haben. Schließlich ist Segeln auch eine technische Sportart und wir verbringen viel Zeit mit Tüfteln.

Zusammen mit Ihrer Olympia-Kollegin wurden Sie Österreichs Sportler des Jahres als Mannschaft. Wie wichtig ist beim Segeln Teamgeist?

Sehr wichtig! Die meisten Bootsklassen werden im Team gesegelt. Dabei ist die Kommunikation entscheidend und man merkt, wie wichtig das Zusammenspiel für den Erfolg ist. Doch selbst für die Bootsklassen, die man allein segelt, ist das Team dahinter, etwa Physiotherapeuten, Konditions- oder Wassertrainer, extrem wichtig.

Welchen Stellenwert hat die mentale Vorbereitung auf einen Wettkampf?

Einen großen! Wir haben die letzten dreieinhalb Jahre sehr intensiv mit einem Sportpsychologen gearbeitet. Bei uns dauert ein Wettkampf eine Woche lang, in der man permanent unter Strom steht und jeden Tag neue Höchstleistungen erbringen muss. Viele Dinge spielen sich dabei im Kopf ab – egal, ob es darum geht, Niederlagen zu verarbeiten oder mit Siegen umzugehen.

Wie würden Sie einem Laien den Segelsport schmackhaft machen?

Was ich am Segeln so cool finde, ist, dass man ohne Strom und ohne Benzin übers Wasser gleiten kann. Es ist einfach ein Lebensgefühl! Wenn man nach einem langen Tag wieder zurück segelt, hinter einem die Sonne untergeht und man dann vielleicht auch noch den Zuckerhut in Rio im Blick hat, dann genießt man solche Momente einfach total!