Es gibt Menschen, die sagen, dass der Klimawandel reine Propaganda ist. Glauben Sie das?

Nein, das tue ich nicht. Es ist ein Faktum. Die Sache ist aber komplex, weil es ein natürlicher, aber eben auch vom Menschen herbeigeführter Wandel ist. Vor 18000 Jahren – in geologischen Zeitdimensionen ist das lediglich ein Wimpernschlag – war die Erde 15 Grad kühler.

Große Teile waren von dicken Eisschichten überzogen und der Meeresspiegel war 120 Meter niedriger als heute. Den Klimawandel abzustreiten ist wie zu behaupten, die Erde ist flach wie eine Scheibe oder Elvis spielt heut live in meiner Stammkneipe. Ist sie nicht – tut er nicht.

Wie beeinflussen wir das Klima?

Die Menschheit betreibt Geo-Engineering auf einem noch nie dagewesenen, globalen Level. Beginnend bei massiven Umbrüchen in der landwirtschaftlichen, industriellen und urbanen Landnutzung bis hin zu Veränderungen der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre und Ozeane.

Zu behaupten, dass all das keinerlei Einfluss auf ein so sensibles System wie das Klima hat, dass das nicht zu einem immer schnelleren Schmelzen der Polkappen und einem Anstieg des Meeresspiegels führt, sondern nur ein Märchen ist, ist extrem ignorant und sehr gefährlich. Nicht zuletzt für uns selbst, aber auch für den wunderschönen Planeten, den wir das Glück haben, bewohnen zu können.

Wie fragil ist unsere Umwelt?

Ökosysteme sind auf recht unterschiedliche Arten fragil oder widerstandsfähig. Die Natur verfügt über beeindruckende Mechanismen, die extreme Bedingungen, Veränderungen oder Vorgänge regulieren können. Durch das rapide Wachstum von Kohlenwasserstoff zersetzenden Bakterien wurden die möglichen katastrophalen Langzeitfolgen des Deepwater Horizon Desasters abgemildert.

Das Ausmaß dieser ökologischen Reaktion hatten wir nicht vorhergesehen. Die Umwelt hat darauf weniger fragil reagiert und sich schneller erholt als wir vermutet hatten. Unglücklicherweise verlangsamen sich solche chemischen und evolutionären Prozesse in kalten Gefilden merklich. Besonders deutlich ist das in den arktischen Regionen: Dort findet man selbst beinahe 30 Jahre nach der von der Exxon Valdez ausgelösten Ölpest noch immer Rohölreste an den Stränden des Golfs von Alaska.

Dabei war die Ölpest nur rund ein Zehntel so groß wie jene im Gefolge von Deepwater Horizon. Ich würde daher zu folgendem Schluss kommen: Gerade in den besonders sensiblen Polar- und Bergregionen, wo Umwelt und Ökosysteme besonders fragil und die Effekte des Klimawandels besonders spürbar sind, müssen wir extremste Vorsicht bei dem, was wir und wie wir es tun, an den Tag legen.

Sie waren in dem Film „Guilt Trip", einer Free-Skiing Doku in Grönland, zu sehen. Warum haben sie mitgemacht?

Das ist einfach: Um Spaß zu haben, Outdoor-Abenteuer zu erleben und ein bisschen Wissenschaft zu betreiben, wenn ich schon dabei bin.

Hat „Guilt Trip“ etwas an Ihrem persönlichen oder professionellem Leben verändert?

Nein, überhaupt nicht. Meine Kollegen haben mich vorher schon für bescheuert gehalten und deren Meinung hat sich danach sicher nicht zum Besseren gewandelt, glaube ich. Ich werde jetzt auch nicht mit Fan-Mails überschwemmt oder schüchtern von wunderschönen Frauen um Autogramme gebeten. Jemand hat mir aber vor einiger Zeit mal eine Mail geschrieben und mich gefragt, wo ich die Sonnenbrille herhabe.

Gibt es einen Weg, Nachhaltigkeit und Bequemlichkeit zu kombinieren?

So wie ich das sehe, muss am Ende immer jemand die Drecksarbeit erledigen. Wir können uns natürlich alle das Label „grün“ und „nachhaltig“ umhängen und Bäume pflanzen, um unsere Interkontinentalflüge, Helikoptertrips, schicken Autos und letztlich unseren feinen Lebensstil zu kompensieren.

Aber alles was wir dabei wirklich tun, ist, die Schweinereien, die wir verursachen, in ärmere Länder zu exportieren. Wir könnten natürlich auch komplett aussteigen und völlig autark und nachhaltig werden. Wir bräuchten dann aber noch immer Rohstoffe, um fortzubestehen, und es ist sehr schwer, das aus dem Nichts heraus zu bewerkstelligen – und wer würde das schon wollen?

Wie gehen sie selbst mit dem Thema Nachhaltigkeit um?

Ich bin kein Verteidiger meiner Lebensweise auf diesem wundervollen Planeten: Ich mag meine Expeditionen, meine Reisen, mein Wohnmobil und das Segelboot, auf dem ich lebe. Aber ist dieser Lebensstil nachhaltig? Nein, nicht wirklich – nicht, wenn 7,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten das Gleiche wollen.

Was sind Ihre drei Ratschläge für einen kleineren ökologischen Fußabdruck?

Skitouren gehen, mehr trinken, jemanden finden, mit dem du gern den ganzen Tag im Bett verbringen willst und dir Elvis anschauen, wenn er in deiner Kneipe spielt. Sorry, das waren jetzt vier.