Ihnen ist es als erster Frau gelungen, alle Achttausendergipfel ohne Zuhilfenahme von zusätzlichem Sauerstoff zu besteigen. Wer oder was hat Sie zu diesem Vorhaben inspiriert und motiviert?

Mit sechzehn Jahren habe ich in meiner Heimatgemeinde einen Vortrag über den K2, den zweithöchsten Berg der Welt, gesehen. Damals kam in mir der starke Wunsch auf, irgendwann einmal diese wunderschönen, hohen Berge in natura zu sehen, und später der Wunsch, einen dieser ganz hohen Berge sogar einmal zu besteigen.

Was fordert Sie bei Ihren Expeditionen besonders? Welchen Schwierigkeiten und Herausforderungen mussten und müssen Sie sich dabei stellen?

Die Achttausender-Expeditionen gehören bei mir der Vergangenheit an. Es gab viele Herausforderungen, oft schon bei der Organisation, der Anfahrt, beim Anmarsch und natürlich auch am Berg selbst. Vieles lässt sich durch eine perfekte Planung und akribische Vorbereitung steuern, einiges ist jedoch unvorhersehbar.

Ein großes Fragezeichen waren und sind immer die Verhältnisse am Berg: Schneelage, Eisverhältnisse, Wetter, Wind, Temperaturen. Dabei gilt es, sich den Gegebenheiten der Natur anzupassen und achtsam zu sein. Unter anderem die enorme Kälte in Kombination mit starkem Wind und geringem Sauerstoffpartialdruck haben mich oft sehr gefordert.

Bei all den gefährlichen Situationen, die Sie im Laufe Ihrer Karriere bewältigt haben, gibt es da noch etwas, vor dem Sie Angst haben?

Angst eher kaum, jedoch immer wieder tauchen Situationen auf, in denen ich mich sorge.

Gab es Momente in Ihrer Laufbahn als Profibergsteigerin, die Sie besonders geprägt oder beeinflusst haben?

Es gab einige sehr traurige Geschehnisse, dich mich stark geprägt haben, aber auch viele wunderschöne Momente. Alles zusammen hat mich unter anderem Geduld, Gelassenheit, Ehrfurcht, Demut, Respekt vor Natur, Mensch und Tier gelehrt und auch, auf die eigenen Intuition zu vertrauen.

Bergsteigen ist Natursport. Fühlen Sie sich durchs Bergsteigen besonders mit der Natur verbunden?

Ja, sehr! Ein Tag, ohne in der Natur gewesen zu sein, ist für mich nicht vollkommen. Mein Körper, mein Geist und meine Seele schöpfen täglich Kraft aus der Natur!

Sie engagieren sich seit vielen Jahren für Hilfsprojekte in Nepal. Worum handelt es sich dabei genau?

In erster Linie handelt es sich um Schulprojekte für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren. Im Moment gilt mein Engagement gemeinsam mit Freunden dem Wiederaufbau des durch das Erdbeben zusammengebrochenen Schulgebäudes in Thulosirubari. Dort hatten über 600 SchülerInnen einen Schulplatz und den sollen sie in Zukunft dort wieder haben.

Welche Ziele setzen Sie sich noch nach alledem, was Sie bislang erreicht haben? Was möchten Sie beruflich und persönlich gern noch erreichen?

Immer wieder kommen Ziele hinzu, andere kann ich zur selben Zeit immer erreichen und mich darüber freuen. Im Moment sind es kleine Ziele, zum Beispiel schöne Kletterrouten. Aber auch Unternehmungen in Gebiete, die ich noch nicht kenne und wo ich gerne hin möchte, wie etwa Bhutan, sind Ziele von mir. Ich möchte mich persönlich weiterentwickeln und bin auf einem interessanten, für mich sehr passenden Weg.

Mit Ihren Vorträgen erreichen Sie viele Menschen. Was möchten Sie diesen dabei mit auf den Weg geben?

Mit meinen Vorträgen möchte ich weiterhin Menschen für ihre eigenen Ziele begeistern und inspirieren. Zudem schwebt mir vor, selbst das eine oder andere Trekking zu leiten. Mit begeisterten Menschen in großartiger Natur unterwegs sein, sie dabei an meinen Erfahrungen teilhaben lassen und ihnen inspirierende Gedanken zu mehr Bewegung, gesunder Ernährung und Zielsetzung mit auf den Weg zu geben, das möchte ich erreichen.