Ein Rücktritt war für Sie selbst nach der Diagnose kein Thema. Woher schöpfen Sie Ihre Motivation?

Die Motivation ist einfach da und ich hole sie mir ganz klar aus meiner Liebe zum Skisport, aus dieser Faszination, die mich praktisch schon mein ganzes Leben begleitet. Denn ich darf beruflich das machen, was ich am meisten liebe und allein das ist es wert, sich zurückzukämpfen. Beim Skifahren genieße ich dieses Gefühl der Freiheit, das Spiel mit den Fliehkräften, schneller zu werden, das Limit zu pushen und sich selbst zu fordern.

Gibt es Dinge, die sich durch die Knieverletzung in Ihrem Leben verändert haben?

Diese schwere Verletzung hat mich schon zurückgeworfen: Ich musste, was das Training und mein Leistungsvermögen angeht, wieder ganz von vorne anfangen und jede Menge Hürden überwinden. Dadurch ist mir erst bewusst geworden, wie stark ich vor der Verletzung wirklich war und wie gut mein körperliches Level gewesen ist. Und erst jetzt habe ich das so richtig zu schätzen gelernt. Damals habe ich es als selbstverständlich angesehen – heute sehe ich das entsprechend anders.

Wie motivieren Sie sich vor einem intensiven Trainingstag in der Vorbereitungsphase?

Wenn es richtig hart wird, denke ich an das Gefühl, wenn man im Ziel abschwingt und Bestzeit gefahren ist. Das setzt dann nochmal Zusatzkräfte frei – weil ich weiß, wenn ich mich jetzt durchbeiße, dann kann ich genau da wieder hinkommen, diesen magischen Moment wieder erleben.

Auch dem Mentaltraining wird im Sport ein immer größerer Stellenwert zugeschrieben. Haben Sie ein konkretes Bild vor Augen, wenn Sie im Starthaus warten?

Das ist bei mir weniger ein Bild als vielmehr ein Gefühl. Wenn ich im Starthaus hochkonzentriert bin, sehe ich den Lauf vor mir, den es zu bewältigen gilt. Und den versuche ich dann so zu verinnerlichen, zu spüren, dass ich auf der perfekten Linie richtig gut unterwegs bin. Das Gefühl, das ich dann vor dem Start habe entspricht eins zu eins dem, wenn ich tatsächlich fahre.

Welche Outdoor-Aktivitäten betreiben Sie als Hobby?

Mein Hobby ist mein Beruf: also die Nummer eins, das ist ganz klar das Skifahren. Ansonsten muss ich fast passen was Outdoor-Aktivitäten als klassisches Hobby angeht. Denn bei mir ist es schwer, da von Hobby zu sprechen. Mountainbiken, Bergwandern ist fester Bestandteil des Konditionstrainings. Da geht es dann weniger um Genießen, mehr um Powern. Was aber auch sehr schön sein kann.

Wie schaffen Sie es Arbeit und Freizeit trotz straffem Trainingsplan in Balance zu halten?

Freizeit ist generell eher knapp bei uns Skirennläufern. Denn zu all den Skirennen gehört auch das Reisen, das mit Weltcupterminen in Asien und den USA oder langen Autofahrten in die europäischen Skigebiete natürlich auch sehr zeitaufwändig ist. Aber dadurch, dass ich meine Arbeit liebe, fehlt mir da auch nicht wirklich etwas. Auch das Abschalten und einfach die Seele baumeln lassen gelingt mir sehr gut. Und wenn Regeneration auf dem Programm steht oder ich ganz einfach frei habe – dann lasse ich es mir natürlich gut gehen. Genieße, relaxe. Klar, dass man solche Tage auch braucht und sehr schätzt.

Wie entspannen Sie, wenn Sie gerade nicht Sport treiben?

Ich bin ein Mensch, der sehr gerne einfach zuhause ist. Zeit mit der Familie ist mir sehr wertvoll. Und ich genieße es, wenn ich gemeinsam mit meinem Mann etwas unternehmen kann.

Gibt es ein Reiseziel, das Sie mit Ihrem Ehemann gerne bereisen möchten?

Eine Mischung aus Erholen und Erleben finde ich perfekt: Die Welt erkunden und auf sich wirken lassen. Aber als Nächstes stehen jetzt erst mal die Weltcup-Tour und die Ski-WM in St. Moritz an, wenn ich dann wieder ganz fit bin. Und danach sehne ich mich auf jeden Fall nach Wärme und Sonne. Unsere Highlights, was das angeht, waren Maui, Mauritius und Namibia. Insbesondere Namibia hat etwas Magisches: das Licht, die unberührte Natur, die Wildnis. Da haben wir uns sehr wohl gefühlt. Wo ich als nächstes hinmöchte? Südafrika reizt mich – und Kalifornien.