Zweistellige Minusgrade, Schneefall, starker Wind. Wo sich der Alpinist Axel Naglich bei seinen Expeditionen herumtreibt, dort herrschen die Extreme. Dabei ist es natürlich besonders wichtig, sich auf sein Equipment verlassen zu können. „Den größten Stellenwert für mich hat nach wie vor das Handy mit all seinen breit gefächerten Möglichkeiten. Zumindest überall dort, wo ein zuverlässiger Handyempfang gewährleistet ist“, stellt Naglich unmissverständlich klar.

Mobil mit Handy

Diverse Coaching-Apps für den Bergsport, vom Bergwetter bis zum Lawinenwarndienst, machen das Handy als Begleiter auf Touren oder Expeditionen sehr attraktiv. Mit dieser speziellen App können Trainingsrouten geplant und während einer Trainingseinheit die aktuelle Position und die geplante Route auf einer interaktiven Landkarte verfolgt werden. Die App ist mit einer Website verknüpft über die alle Trainingseinheiten statistisch auswertbar sind und anhand derer ein Trainingstagebuch erstellt werden kann.

Um die Trainingsrouten optimal zu planen ist eine Wettervorhersage verfügbar und auch für Musik ist mit Hilfe eines integrierten Mediaplayers gesorgt! „Mittlerweile ersetzt es unter bestimmten Bedingungen auch schon den Fotoapparat. Von Musik, Filmen und Fotos der Lieben ganz abgesehen, wenn die Tage im Basecamp wiedermal wetterbedingt sehr lang werden. Und natürlich möchte man auch mit daheim kommunizieren.“

Akkuhaltbarkeit

Ein großes Problem unter diesen extremen Bedingungen stellt die Haltbarkeit von Akkus dar. „Je größer die Kälte wird, desto geringer wird die Leistungsfähigkeit von aufladbaren Energiequellen. Entweder man nimmt zahlreiche geladene Akkus mit, die man dann unbedingt warmhalten sollte oder man vertraut auf Solar-Ladegeräte. Zumindest bis zum Basecamp. Darüber hinaus muss man dann taktieren, was man wirklich braucht“, erklärt der Extrem-Alpinist. „Früher waren das schwere Platten mit nahezu keinem Output, doch auf dem Gebiet hat sich auch viel getan. Aktuelle Solar-Paneele sind schon deutlich besser geworden.“

Die rollbaren Solarmatten eigenen sich bei Sonnenschein als Alternative zur herkömmlichen Steckdose, bei wolkenverhangenem Himmel und Schlechtwetter ist man wohl besser beraten, sich auf Batterien zu verlassen. „Ein Akku hat bei gleichem Gewicht meistens weniger Leistung als eine Batterie, die man zudem einfach austauschen kann und nicht stundenlang warten muss, bis sie geladen ist. Besonders beim Thema Fotoapparat und Videokamera verlassen wir uns weiterhin auf herkömmliche Batterien“, so Naglich. Akkus sind von der Lebensdauer zwar besser als Batterien, können aber nur durch aufgeladene Akkus ersetzt werden, die eventuell nicht greifbar sind, deshalb sind Batterien manchmal die bessere Option.

Die Speicherung von Fotos auf handelsübliche Speicherkarten bereitet dem Alpinisten hingegen kein Kopfzerbrechen. „Alles, was an Daten und Aufnahmen auf Chipkarten gespeichert wird, ist gegen Kälte relativ resistent. Die Crux ist und bleibt der Akku oder die Batterie, die bei Kälte den Geist aufgeben. Dann müssen Handy und Ersatz-Akkus am Mann getragen werden, wenn es im Rucksack zu kalt ist.“

Rucksackgepäck

Auch bei Helmkameras, Funk- und GPS-Geräten kommen primär Batterien zum Einsatz. All diese Geräte brauchen Strom, doch Ersatz-Akkus sowie Batterien sind schwer und erhöhen so natürlich das Gewicht der Ausrüstung. „Am Berg spürst du buchstäblich jeden halben Kilo, da will man natürlich sparen. Meistens artet es zu einer kleinen Materialschlacht aus, Tendenz jedoch fallend. Denn dankenswerterweise sind Handys schon so weit, dass sie andere Geräte ersetzen können.“ Von GPS-Diensten über den Höhenmesser bis hin zur ganzen Leistungsdiagnostik gibt’s mittlerweile tolle Apps für Smartphones. Auf dem Gebiet sieht Axel Naglich die Zukunft. „Die Zeit wird kommen, in der das Handy so viel kann, dass man kaum noch andere Gerätschaften mitnehmen wird müssen.“

Doch es besteht bei all der Technik für Naglich auch die Gefahr des Hightech-Overkills. „Wenn es zu technisch wird, geht die Idee am klassischen Bergsteigen doch schon vorbei. Bei Ski-Erstbefahrungen und Bergtouren geht es nicht unbedingt darum, wer das beste technische Gerät hat, sondern auch ums Abenteuer. Der Abenteuerwert sinkt natürlich mit dem Maß der Prognose. Wetter- und Lawinenbericht unbedingt, viel mehr vorhersehbare Parameter wirken sich dann negativ auf den Abenteuerwert aus.“
Früher konnte man laut Naglich nie wissen, welches der zahlreichen Geräte, die man mit sich herumschleppt, unter Extrembedingungen auch wirklich zuverlässig funktioniert. „In Zeiten des Internets ist es deutlich einfacher geworden, sich über deren Praxistauglichkeit und etwaige Problemstellen zu informieren.“