Es war schon ein besonderer Moment. Im November des Vorjahres hatte eine Wildkatze die automatische Fotokamera ausgelöst. Auch die Experten waren sich einig: das Fotofallenbild lieferte einen deutlichen Nachweis, dass wieder eine Wildkatze nach über 20 Jahren in Oberösterreich in freier Natur lebt. Ein klarer Beleg für ein gesundes Ökosystem und die langjährige, erfolgreiche Arbeit im Bereich Umwelt- und Artenschutz. Der Nationalpark Kalkalpen Region gilt als größtes Waldschutzgebiet Österreichs. Das aus dem Sengsen- und Reichraminger Hintergebirge bestehende Schutzgebiet umfasst unberührte Wälder, wilde Schluchten und reizvolle Almen. Lebensraum und Rückzugsgebiet für viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Naturwald und Orchideen
Das Gelände der Kalkalpen ist auch von internationaler Bedeutung. Bereits im Jahr 1998 wurde ihm von der „International Union for Con-servation of Nature and Natural Re-sources“ (IUCN) die Anerkennung zum „Nationalpark“ verliehen. Es gibt Nachweise über Bären und Luchse, aber auch über 900 Pfl anzenarten finden sich hier. Davon allein 42 verschiedene Orchideen-arten. Es gibt insgesamt 30 verschiedene Waldgesellschaften, wobei Buchen- und Buchenmischwälder das Landschaftsbild dominieren.

Im Nationalpark erleben die Wälder auch die zweite Lebenshälfte: der natürliche Totholzanteil bildet nicht nur die sprichwörtliche Wild-nis, sondern einen wichtigen Lebensraum für viele Tiere. Das bundesländerübergreifende Projekt „Netzwerk Naturwald“ sorgt dabei für den langfristigen Erhalt der Artenvielfalt. Das Projekt möchte auch gemeinsame Wege finden, damit sowohl Natur als auch Bewohner und Gäste dieses Lebensraums gemeinsam von diesem Biotop profitieren können.

Wildniswandern und E-Bike-Touren
Outdoor-Aktivitäten in der Wildnis zählen zu den besonderen Highlights in der Region. Wildniswandern nennen sich beispielsweise jene ausgewählten Wanderungen, die zu den schönsten Plätzen im Schutzgebiet führen: von der familienfreundlichen Wildnis-Light-Tour „Im Tal des Holzes“ in das Weißenbachtal bei Reichraming bis hin zum 150 km langen, mehrtägigen „Kalkalpenweg“. Wer lieber Rad- und Mountainbike-Touren machen möchte, findet im Schutzgebiet ebenfalls abwechslungsreiche Strecken für alle Konditionen, beispielsweise die dreitägige „Kalkalpentour“. Die Wege führen in abgelegene Seitentäler, durch die Schluchten des Reichraminger Hintergebirges und auf aussichtsreiche Almen und Bergstraßen. Immer beliebter werden geführte Touren auf dem E-Bike: „Hintergebirgsradweg“ nennt sich eine der schönsten Radrouten Österreichs – auch ohne E-Bike befahrbar Ein Großteil dieser Strecke verläuft dabei auf der ehemaligen Trasse der Waldbahn, die im Jahre 1971 zum letzten Mal durch das Hintergebirge fuhr. An Originalschauplätzen erzählen Nationalpark-Ranger Wissenswertes über die Geschichte der Waldbahn und die einstige Gefahr der Holztrift.

Klettern am Sauzahn und Langenstein
Wilde Erlebnisse garantieren die vielen Felswände des Nationalparks „Region Ennstal“. Mehr als 30 Klettergärten mit über 1.300 Routen in allen Schwierigkeitsgraden findet man in den Kletterfelsen der Region. Die meisten Kletterrouten reichen von Boulder bis Mehrseillängen. In den gewachsenen Klettergärten, wie Nixloch oder Pfenningstein, klettert man an kompakten, senkrechten bis leicht überhängenden Kalkplatten. Dagegen ist am Langenstein, Sauzahn und der Sonnleitnerwand oft athletische Lochkletterei erforderlich. Viele Klettersteige liegen direkt an Radrouten, was einer abwechslungsreichen Kombination aus „Bi-ken & Bouldern“ ebenfalls nichts im Wege stehen lässt.