Worum handelt es sich beim Laufstall für Rinder? Welche Unterschiede gibt es zum klassischen Kuhstall?

Im Laufstall können sich die Tiere frei bewegen und sind nicht, wie früher üblich, im Stall an einem fixen Platz angebunden. Die Kühe können im Laufstall frei wählen, ob sie fressen wollen, zur Tränke gehen wollen, sich hinlegen wollen oder, wie es bei meinem Stall ist, sich im Freien aufhalten möchten. Das ist der große Unterschied zum früher weit verbreiteten Anbindestall, der heutzutage eher das Auslaufmodell ist.

Wie sieht das Melken in einem Laufstall aus?

Bei den Milchkühen ist es so, dass sie zweimal täglich gemolken werden, und das an jedem Tag im Jahr. Früher ist man mit dem Melkgeschirr zur Kuh hingegangen und hat das Tier am Standplatz manuell gemolken. Heute hingegen geht die Kuh von selbst zum Melkstand und wird dort vom Landwirt gemolken. Da Kühe einen sehr rhythmischen Tagesablauf haben, funktioniert das bei den meisten Tieren ganz selbstverständlich.

Weshalb haben Sie sich für diese Art von Stall entschieden? Welche Vorteile bringt dieser Laufstall, sowohl für Mensch als auch Tier?

Das Vorrangige ist für mich natürlich das Tierwohl. Als Landwirt lebt man nicht nur von den Tieren, man lebt auf jeden Fall auch mit den Tieren. Daher ist man natürlich sehr bemüht, das Tierwohl zu steigern. Wenn sich eine Kuh frei bewegen kann und den Komfort hat, nach draußen zu gehen, dass sie sich den Liegebereich frei wählen kann, dann fühlt sie sich einfach wohler.

Eine Milchkuh, die sich wohlfühlt, bringt auch mehr Leistung. Das heißt, sie gibt mehr Milch und sie hat auch eine längere Nutzungsdauer, sie bleibt also auch länger bei mir im Stall. Vom wirtschaftlichen Standpunkt her ist das für einen Landwirt natürlich sehr wichtig.

Wie sieht der Arbeitsalltag für Sie in diesem Stall aus? Auf welche Weise funktioniert dabei das Zusammenspiel zwischen Mensch - Tier - Maschine?

Die Arbeit ist für mich nicht unbedingt weniger, aber sie ist körperlich leichter geworden. Das betrifft gerade die Fütterung, wo natürlich große Mengen an Futter bewegt werden müssen. Seit das technische Hilfsmittel übernehmen, wird das für den Menschen einfacher. Der Tagesablauf hat sich bei mir dahingehend verändert, dass ich mehr Managementaufgaben übernommen habe.

Man muss die Kühe mehr überblicken. Im Laufstall muss man mehr beobachten, wie verhält sich das einzelne Tier. Das ist aber auch eine sehr schöne Arbeit, sich intensiver mit den Kühen beschäftigen zu können.

Der Laufstall hat also Ihren Arbeitsalltag verändert?

Die Veränderung ist schon massiv. Es ist auch für mich sehr schön, zuzusehen, wie sich meine Tiere frei bewegen können. Ich halte sehr viel Kontakt zu meinen Kühen, das heißt, ich arbeite trotz der technischen Erleichterungen sehr viel im Stall. Der soziale Kontakt zwischen Mensch und Tier ist mir sehr wichtig. Auch dadurch fühlen sich die Kühe wohler und die Tiere kommen in keine Stresssituationen in Bezug auf Menschen.

Das gehört für mich auch zum Beruf des Landwirts dazu, gern Umgang mit meinen Tieren zu haben. Es ist schön, wenn die Kühe keine Angst haben oder Stress verspüren und sich ganz natürlich verhalten, auch wenn ich im Stall bin.