"Kannst du eigentlich Schi fahren?" fragt Tina ihren Onkel. „Ich bin gut im Wasserskifahren. Das ist doch das gleiche!“ Kaum hat Onkel Niki das gesagt, rutschen seine Ski von ganz allein los. "Uaaa! Halt!....Stehen bleiben! Stopp! ... Hi ... hi...Hilfe!" schreit er. Wild ru¬dert er mit den Armen, während er den Hang hinunter rast. „Wir müssen ihn retten!“, ruft Tina.

Sofort fahren die Zwillinge los. Sie schaffen es, den Onkel einzuholen. Tobi schnappt ihn am Ärmel, Tina an der Kapuze. Dabei aber kommen alle Skier über Kreuz. Die drei landen im Schnee. KLICK! KLACK! KLECK! Die Bindungen öffnen sich. Skier und Stöcke bleiben zurück. Die Rutschpartie geht weiter. Als bunte Kugel mit drei Köpfen kullern Onkel und Zwillinge über die Piste.

Sie überschlagen sich und fallen einen steilen Hang hinunter, wo Skifahren verboten ist. Immer schneller geht es in eine tiefe Mulde. Schützend heben sie Arme, als sie auf einen Schneehügel zurasen. Sie knallen dagegen. Der Hügel gibt nach. Schneeklumpen und Eisbrocken wirbeln rund um sie durch die Luft. Dann herrscht einen Moment Stille. BÄÄÄ! Tobi spuckt Schnee.

BRRR! Tina schüttelt sich. AUA! Onkel Niki ächzt leise und putzt seine Brille. Rund um sie glitzert es. Es glänzt. Es blinkt. Es strahlt. „Wir sind in einer Höhle gelandet!“, stellt Tobi fest. Tina staunt. „Hier sieht es aus, wie in einem Kristallpalast.“ Onkel Niki schiebt sich die Brille ins Gesicht. „Das ist alles Eis.“ Besorgt blickt er die Zwillinge an. „Habt ihr euch wehgetan?“ Tobi zählt bei Tina und sich nach.

"Ein Kopf, zwei Arme, zwei Beine. Alles noch dran.“ Tina deutet auf einen Eisblock in der Mitte der Höhle. „Seht nur. Da ist etwas im Eis eingefroren.“ Sie springt auf und geht näher. „Das ist ein Tier.“ Tobi kommt ihr nach. Er stößt einen langen Pfiff durch die Zähne aus. „Das Tier sieht aus, wie ein Saurier.“ Onkel Niki lächelt. „ Kinder, Saurier sind vor 10 Millionen Jahren ausgestorben.“ „Vor 65 Millionen Jahren“, verbessert ihn Tobi.

Bei Sauriern kennt er sich aus. Um das Tier besser sehen zu können, poliert Onkel Niki mit dem Handschuh über den Eisblock. KNICK-KNACK Viele dünne Risse ziehen sich auf einmal durch das Eis. KLIRR Der Block zerfällt in einen Berg kleiner Splitter. Mitten drinnen steht das gefrorene Tier.

EIN SAURIER IST KEINE PIZZA

Vor Aufregung hüpft Tina von einem Bein auf das andere. „Wenn das kein Saurier ist, heiße ich ab heute Wanda Wirrsinn.“ Nachdenklich kratzt sich Onkel Niki am Ohr. „Ich habe schon viele Tiere gesehen. Aber so eines noch nie.“ Dabei kennt sich Onkel Niki bei Tieren sehr gut aus. Er besitzt eine Tierhandlung. Das gefrorene Tier schimmert gelb. Es hat einen langen Schwanz und eine große runde Schnauze.

Für Tobi sieht das Tier aus wie ein Saurier. Da gibt es keinen Zweifel. Tina will jedes Tier streicheln. Mit einem Finger fährt sie über das seltsame Wesen. Es fühlt sich eiskalt an. Erschrocken springt sie zurück. „Was ist?“, will Tobi wissen. „Er grummelt.“ „WER tut WAS?“ Onkel Niki runzelt die Stirn. „Der Saurier hat GRUMEL gemacht!“ Der Onkel legt seine Hand auf ihre Schulter. „Tina, das Tier ist gefroren und lebt nicht mehr.

Es kann daher auch nicht Grummel machen.“ Tina regt es auf, wenn Onkel Niki ihr nicht glaubt. Sie geht zurück zu dem gelben Tier und streichelt es mit der ganzen Hand. Einmal Zweimal Dreimal Sie streichelt immer weiter. Bald sind Tinas Finger steif und kalt. Aber der Saurier bleibt stumm. Gerade als sie enttäuscht aufstehen will, hört sie ein leises "GRUNZO"! Aufgeregt ruft sie: „Onkel Niki, jetzt sagt der Saurier GRUNZO.“

Onkel Niki schmunzelt gütig. Das macht Tina noch wilder. „Ich habe keine Gurken in den Ohren. Er hat GRUNZO gegrunzt.“ Tobi muss ständig an etwas denken: Vielleicht lebt der Saurier wirklich. Vielleicht können sie ihn auftauen. Als er diese Idee laut ausspricht, schüttelt Onkel Niki den Kopf. „Ein Saurier ist doch keine Tiefkühl-Pizza!" „Dürfen wir den Saurier mitnehmen?

Bitte, bitte, bitte!“, bestürmen die Zwillinge den Onkel. „Nein, nein, nein, das ist nicht möglich.“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nein, nein, nein.“ Nun hilft nur noch der Klimper-Wimper-Trick, denkt Tina. "Bitte, Lieblings-Onkel," flötet sie und klimpert mit ihren Wimpern. Onkel Niki öffnet den Mund um Nein zu sagen.

Aber er kommt nicht dazu. „Danke!“, ruft Tina und drückt ihn ganz fest. „Du bist der beste Onkel der Welt!“ Tobi nimmt das kalte Tier vorsichtig mit beiden Händen. Es ist schwer. Zum Glück hat er immer seinen Rucksack dabei. Der Saurier passt hinein. Die Zwillinge haben beide Herzklopfen vor Aufregung.

KLIRREN IN DER NACHT

Für Onkel Niki und die Zwillinge beginnt ein mühsamer Abstieg ins Tal. Alle drei sind sehr müde, als sie endlich beim Hotel „GEMSENSPRUNG“ ankommen. In ihrem Zimmer holen Tina und Tobi das gefrorene Tier aus dem Rucksack. "Bitte, bitte fang wieder an zu leben," flüstern die beiden. Doch das seltsame Wesen gibt keinen Pieps von sich. In der Wärme des Raumes beginnt das Tier langsam aufzutauen.

Wassertropfen fallen auf den Boden und bilden eine Pfütze. Onkel Niki kommt durch die Verbindungstür in das Zimmer der Zwillinge. „Am besten, ihr stellt den...den...," stammelt er und holt tief Luft. "Am besten, ihr stellst den "Dings" in die Badewanne!" Tina schluckt. Onkel Niki hat wohl recht. Das Tier wird nie wieder aufwachen. Gemeinsam mit Tobi trägt sie es ins Badezimmer.

Viel Hunger haben die Zwillinge an diesem Abend nicht. Früher als sonst liegen sie im Bett. Tobi hat immer ein Buch über Saurier dabei. Er blättert und liest darin. Es wurden viele versteinerte Saurierknochen und Sauriereier gefunden. Aber noch nie ein gefrorener Saurier. Schon gar kein lebendiger. „Ich bin TINA DUMPFBACKE“, seufzt Tina.

„Das GRUMEL und GRUNZO habe ich mir nur eingebildet.“ „Du kannst aber sonst einen Floh husten hören“, meint Tobi. Das stimmt. Tinas Ohren sind sehr gut. Tina wickelt sich fest in die Bettdecke. Sie ist sehr traurig. Tobi auch. Irgendwann in der Nacht schrecken die Zwillinge hoch. "Ist das eine Schlotterkälte," schnattert Tina und klappert mit den Zähnen. Wieso ist es plötzlich so eiskalt im Zimmer?

„Da hat was geklirrt“, brummt Tobi verschlafen. Tina knipst die Nachttischlampe an. „Die Glasscheibe der Balkontür ist herausgefallen und zerbrochen.“ „Wie gibt’s denn das?“ Weil er auf die Toilette muss, huscht Tobi ins Badezimmer. „Tina!“, ruft er. Seine Schwester kommt schnell nach. Tobi deutet auf die Badewanne. Sie ist leer. Das Tier ist fort. „Ob Onkel Niki es genommen hat?“, überlegt sie laut.

Ihr Zwillingsbruder bückt sich und untersucht den Boden. „Alles nass!“, meldet er. „Wo?“ Tina macht einen schnellen Schritt. WUSCH! Sie rutsch aus und landet auf dem Po. „Da ist eine Wasserspur!“, japst sie. Die beiden verfolgen die Spur auf allen Vieren. Sie führt ins Zimmer, zieht sich über den Boden und endet bei der Balkontür.

Tinas Herz klopft wild und laut. Die Zwillinge öffnen die Tür und treten auf den Balkon. In der Nacht hat es ein bisschen geschneit und deshalb liegt eine dünne Schneeschicht auf dem Balkon. „Pfotenandrücke! Da sind kleine, runde Pfotenabdrücke!“ Das kann nur eines bedeuten: Der Saurier ist aufgetaut und erwacht!