Warum im Handel ‚mobil‘ nicht zwingend ‚unterwegs‘ bedeuten muss

In den Marketing-Gazetten und Fachbüchern etabliert sich derzeit die wohlklingende Alliteration ‚Couch Commerce‘ als feste Vertriebskategorie neben dem ‚Mobile Commerce‘. Denn mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass die neuen smarten Touchscreens mobil allenfalls irgendwo zwischen Küche, Wohnzimmer und Arbeitsplatz in die Online-Shops führen, also nicht unterwegs genutzt werden.

Schöner Shoppen im Post-PC-Zeitalter

Die passende Hardware für den Einkauf von Zuhause aus ist zweifelsohne das Tablet. Denn es gibt für das Online-Shopping bequemere und praktischere Nutzungsumgebungen als den Schreibtisch, auf dem sich liegengebliebene Post und allerhand Arbeitsunterlagen stapeln.

Andreas Haderlein
Innovationsberater und Wirtschaftspublizist

Ob es das gemeinsame Bummeln in einem Online-Store ist oder das schnelle Vorzeigen des Schnäppchens – das Tablet als ‚Wir-Gerät‘ taugt besser zum Konsum-Lagerfeuer als sperrige Computerkisten. Außerdem: Was treibt das E-Commerce stärker als Bequemlichkeit? Wie dumm nur, dass die geneigten Sofa-Shopper immer wieder mit Online-Shops konfrontiert werden, die das Einkaufen mit iPad & Co. zur Qual machen und – letzten Endes – zu Kaufabbrüchen führen.

Wer immer noch glaubt, einen Computer wird man auch in zehn Jahren noch unter den Tisch stellen oder bestenfalls auf und zu klappen und brav vom heimischen Schreibtisch aus online shoppen, der sollte sich die aktuellen Absatzzahlen ansehen: Zwischen April und Juni 2013 gingen in Deutschland 1,124 Millionen Tablets über den Tresen. Das entspricht einer Absatzsteigerung um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit kauften die Deutschen erstmals mehr touchempfindliche Flachrechner ein als Laptops, die im Consumer Electronics Markt Index (CEMIX) auf 1,114 Millionen verkaufte Geräte im zweiten Quartal beziffert werden.

Die große Mehrheit der weltweiten Online-Shops sind in Sachen Nutzerfreundlichkeit und Bedienbarkeit Relikte des PC-Zeitalters. Aber der situative Online-Konsum (lümmelnd auf der Couch, stressfrei auf dem stillen Örtchen, spontan am Küchentisch etc.) ist die nächste große Triebkraft des Online-Handels.

Smarte Verkaufshilfen

Der allwissende, mit Smartphone bewaffnete Kunde ist die härteste Nuss, die der stationäre Handel künftig zu knacken hat. Nicht nur informieren sich immer mehr Shopper vor einem Einkauf im Netz (mit immensen Auswirkungen auf das Beratungsgespräch im Laden), sie nutzen auch Preisvergleichs-Apps, die sie letztendlich vor Ort vor einem Kaufabschluss zurückschrecken lassen können.

Um diesen kundenseitigen Treibern des Handels im Internet – Transparenz und Empfehlung – adäquat zu begegnen, ist die Ausstattung des Verkaufspersonals mit mobilen Endgeräten unerlässlich. Verkaufsberatung auf Augenhöhe ist künftig nur noch möglich, wenn smarte Handhelds zu den Werkzeugen des Verkäufers zählen wie seinerzeit Preisauszeichner und Kugelschreiber.

Nahezu alle warenwirtschaftlichen und kundenorientierten Prozesse sind heute mobil optimierbar – vom Einholen detailreicher Produktinformationen bei der Kundenberatung über die Entgegennahme von Online-Bestellungen (auch virtuelle Verkaufsraumerweiterung genannt) und das Abrufen des Lagerbestandes bis hin zur schnelleren Abwicklung des Kassiervorgangs.