Wir haben uns schon eine ganze Reihe von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln angeschaut. Als zwischenzeitliches Fazit kann ich sagen: Die heimische Produktion steht im internationalen Vergleich bei vielen Lebensmitteln ganz ausgezeichnet da! Ich möchte anhand einiger ausgewählter Beispiele die Bedeutung regional erzeugter Lebensmittel für uns Konsumenten, für unsere Bauern und für den Lebensraum, den wir alle teilen, unterstreichen.

Tierische Lebensmittel

Als Gründlandbauer fällt mir dazu natürlich als erstes die Milchwirtschaft ein. Österreich ist ein traditionelles Milchland, weil der alpine Charakter unseres Landes gar keine andere Nutzung zulässt. Die Bauern und ihre Kühe prägen seit Hunderten von Jahren unser Landschaftsbild, das auch den vielen Gästen aus aller Welt gefällt. Die heimische Milchlandschaft ist nach wie vor kleinstrukturiert im europäischen Vergleich – und sie ist Bio-Europameister mit mehr als 20 Prozent Flächenanteil.

18 Kühe hat der der heimische Bauer durchschnittlich im Stall. In Deutschland liegt der Schnitt bei weit über 50 Kühen und Ställe mit mehreren hundert Kühen sind keine Seltenheit. Dass dieser Umstand und unser gebirgiges Grünland Mehrkosten auf der Produktionsseite mit sich bringen, liegt auf der Hand.

Österreichs Milchwirtschaft kann daher nur mit nachweisbarer Qualität punkten und mit Innovationskraft. Umso wichtiger für den Erhalt unserer Milchwirtschaft ist es, dass der heimische Konsument diese Qualität erkennt und ihr die Treue hält. 

Geflügeltes Tier

Mit nachvollziehbar besserer Qualität punktet beispielsweise auch die heimische Geflügelbranche: Wie der von Österreich als erstem Land vollzogene Ausstieg aus der Käfighaltung beweist, ist der Konsument bereit, die höheren Preise für Eier aus tiergerechterer Haltung zu bezahlen. Das ist leider bei Hühner- und Putenfleisch aus heimischer Produktion nicht immer der Fall.

Auch hier haben Österreichs Bauern international unerreichte Qualitätsstandards vor allem in Sachen Tierwohl einzuhalten und produzieren dadurch kostenintensiv. Der höhere Preis des Fleisches führt aber leider häufig dazu, dass ausländische Ware bevorzugt wird.

Die beiden Beispiele Milch und Geflügel zeigen: Regionalität = Qualität. Qualität bedeutet höhere Kosten und bedingt höhere Preise. Wir Konsumenten haben es also mit in der Hand, ob wir zusammen mit unseren Bauern und Verarbeitern diesen nachhaltigen Weg gehen wollen.

Pflanzliche Lebensmittel

Was für die heimische Produktion tierischer Lebensmittel gilt, gilt auch für die von pflanzlichen. Der Qualitätsanspruch ist sehr hoch – und er wird konsequent verfolgt. Insgesamt hängen beide Produktionszweige zusammen. Nicht wenige Bauern produzieren tierische und pflanzliche Lebensmittel gleichzeitig. Das hat den großen Nachhaltigkeitsvorteil, dass das, was bei den Tieren hinten raus kommt als wertvoller Dung für die Pflanzenproduktion in den ökologischen Kreislauf zurückgeführt werden kann.

Dieser banale Zusammenhang wird leider manchmal nicht verstanden, wenn sich Unmut gegen den Bauern regt, der für Geruchsbelästigung sorgt. Österreichs Gemüse- und Obstbauern bemühen sich sehr, den heimischen Konsumenten das ganze Jahr über mit einer bunten Palette an gesundem Grünzeug zu verwöhnen.

Wobei hier natürlich gewisse regionale und saisonale Grenzen gesetzt sind. Auch der Klimawandel wird uns auf absehbare Zeit keine Bananen aus heimischem Anbau bescheren. Regionalität bedeutet nicht den Verzicht auf Zitrusfrüchte, Olivenöl etc., aber muss es die berühmte Erdbeere zur Weihnachtszeit sein?

Ökologische Moral

Mit Regionalität und Nachhaltigkeit hat das wenig zu tun und auch der erhoffte Gesundheitsmehrwert darf angezweifelt werden. Regionales und saisonales Gemüse etwa in der kalten Jahreszeit, so zeigen Untersuchungen, kann es in Sachen Vitamine und Nährstoffe locker mit Importgemüse aufnehmen. Ganz zu schweigen vom CO2-Abdruck dieser Produkte und den oft fragwürdigen Anbaubedingungen.

Gurken aus Spanien etwa gleichen bei einem Wassergehalt von 97 Prozent Wasserbomben, die in einer extrem trockenen Gegend nur dank hunderte Kilometer weit hergeleiteter Bewässerung produziert werden können. Anschließend werden diese Gurken dann auch noch quer durch Europa zu uns transportiert, die wir doch Wasser genug haben. Ein ökologischer Supergau eigentlich, den wir Konsumenten zu wenig bedenken. Also auch hier: Heimische Qualität ist auch bei Obst und Gemüse nachhaltiger!