Ob Aug in Aug mit den Alligatoren der Everglades oder unter dem tanzenden Nordlicht Norwegens, ob auf der Pirsch nach Wiener Stadtfüchsen oder auf den Spuren der Braunbären im Süden Sloweniens. Seit zwölf Jahren bin ich weltweit unterwegs auf der Suche nach speziellen Momenten, nach Abenteuern in der Natur.

Nicht allein, sondern immer mit meiner Kamera. Sie ist mein drittes Auge geworden. Mit ihr lassen sich meine Erlebnisse einfangen und jederzeit wieder hervorholen, für mich und andere gleichermaßen.

Der geschärfte Blick

Das Credo lautet aber nicht: „Ein Bild um jeden Preis!“. Wer so denkt, ist schon auf dem Holzweg. Denn nicht umsonst steht beim Naturfotoabenteuer die Natur an erster Stelle. Die Kamera ist lediglich das Hilfsmittel, das, richtig eingesetzt, die Natur noch intensiver erlebbar machen kann. Was heißt richtig eingesetzt?

Die Fotos werden nicht besser, das Naturabenteuer nicht bunter, wenn wir manisch durch den Sucher blicken und einfach wild drauflos knipsen. Stattdessen gilt es die Pulsfrequenz zu drosseln, beobachten, schauen und genießen zu lernen. Nur so nähert man sich dem Rhythmus der Natur an, nur so gelingt es, ein Stück weit Teil von ihr zu werden, und nur so drückt man dann auch im richtigen Moment auf den Auslöser.

Denn genau darum geht es: den richtigen Moment zu erwischen. Und der kündigt sich oft an, vorausgesetzt man vermag die Zeichen zu deuten. Viele Tiere haben Gewohnheiten. Je genauer die Kenntnis vom das Tier, desto besser lässt sich die Gewohnheit vorausahnen und die Kamera rechtzeitig aktivieren.

Auch Lichtstimmungen schicken ihre Vorboten. Wenn die Abendsonne doch noch durch die Wolken bricht, dauert es nicht lange und die Landschaft beginnt zu glühen. Und dann schließlich auch der Kamerasensor. Diese Mischung aus passivem Eintauchen und aktivem Fotografieren schärft den eigenen Blick auf die Natur.

Die Natur, ein undankbares Motiv?

Ich liege nun schon stundenlang in einem finnischen Moor, umschwirrt von Myriaden von Gelsen, der Elch will sich aber einfach nicht blicken lassen. Seit mehr als einer Woche stapfe ich auf der Suche nach wilden Bergrentieren durch Norwegen, bisher vergebens. Das Gletschereis der Pasterze schmilzt mir beim Fotografieren unter den Füßen weg. Kalter Wind und hohe Wellen machen eine Ausfahrt zu den Walen unmöglich.

Manchmal scheint sich die Natur gegen einen zu verschwören. Wer nun missmutig zu werden droht oder gleich die Flinte ins Korn werfen möchte, sollte kurz innehalten. Auch wenn es anders kommt als geplant, auch wenn noch kein einziges Foto entstanden ist, sollte man nicht den Fehler machen, die Wartepause und Anstrengung als verlorene Zeit abzutun.

Sie gehören dazu. Natur ist unvorhersehbar und sie verlangt von uns, dass wir uns ihr anpassen. Nicht wir bestimmen, wann sich die Wellen glätten, der Regen sich verzieht, der Elch Lust auf frische Flechten hat. Wer nur den einen anvisierten Moment herbeisehnt, übersieht möglicherweise den „Alternativplan“ der Natur. Vielleicht taucht ein anderes Tier auf, mit dem man gar nicht gerechnet hat oder man genießt einfach den Moment, die Stille, das Draußensein, das Lebendigsein. Auch mal ganz ohne Foto.

Seines eigenen Glückes Schmied

Das ist es auch, was mich immer wieder nach draußen treibt, das unmittelbare Erleben der Natur.

Wie die besten Fotos gelingen, werde ich oft gefragt. Ganz einfach: Je mehr man draußen ist, umso eher wird man dafür belohnt. Abenteuer ereignen sich eben nicht zuhause auf der Couch. Man muss sich den Elementen aussetzen, ein wenig Durchhaltevermögen mitbringen, sich freilich auch vorbereiten, gleichzeitig aber auch wissen, dass mitunter alles ganz anders kommen kann.

Die Natur hat immer wieder Überraschungen im Gepäck. Genau darin liegt letztlich der Reiz. Und irgendwann wird einem dann auch das nötige Quäntchen Glück zuteil.