Jagd wird in der Gesellschaft kontroversiell diskutiert. Inwiefern hat sich die öffentliche Meinung zur Jagd in den letzten Jahren verändert?

Der Durchschnittsbürger weiß nicht, welche Rechte und Pflichten ein Jäger hat und was Jagd eigentlich bedeutet. Das trifft vor allem im urbanen Bereich zu, in dem die Naturentfremdung stark ist. In der Natur findet ein Kreislauf statt, der neben Land- und Forstbewirtschaftung eben auch mit Entnehmen und Töten von Tieren zu tun hat.

Viele Leute haben dafür überhaupt kein Gefühl mehr. Es gibt eine große Lücke zwischen Mythen rund um das Thema Jagd und der tatsächlichen Realität. In unserer Kulturlandschaft müssen wir unsere Wildtiere managen und wenn der Jäger dafür auch noch bezahlt, sollte der Steuerzahler eigentlich froh sein. Doch das ist so komplex, dass man es nicht so leicht vermitteln kann.

Warum, glauben Sie, hat die Jagd ein schlechtes Image – verdient oder Fehlinformation?

Was wir in den Medien sehen, sind oft negative Highlights. Die meisten Jäger haben mit Unfällen, illegalen oder halbseidenen Geschichten nichts zu tun. Natürlich gibt es schwarze Schafe, aber deswegen darf ich nicht alle Jäger in Sippenhaft nehmen.

Ich glaube, dass es durch diese Stories in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild gibt. Das liegt aber auch an der Jägerschaft, die es in den letzten Jahrzehnten verabsäumt hat, heikle Themen anzusprechen und zu erklären, was sie eigentlich machen.

Das Aufgabenfeld eines Jägers besteht ja nicht nur aus Schießen. Welche Aufgabenfelder hat ein Jäger außerdem noch?

Jäger sind verpflichtet, für einen artenreichen und gesunden Wildtierbestand zu sorgen. Artenreich heißt, dass er sich um alle im Jagdrecht enthaltenen Arten kümmern muss – auch diejenigen, die ganzjährig geschont sind. Gesunder Wildtierbestand heißt, dass er erkrankte Tiere erlösen soll. Das heißt, dass es nicht nur um das Wildbret geht, sondern auch um Tierschutz. Der Tierschutzgedanke kommt ja ursprünglich auch aus der Jagd.

Er steckt im Prinzip der sogenannten Weidgerechtigkeit, der guten fachlichen Praxis, die den sorgsamen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen beinhaltet. Als Jäger kann man in seinem Gebiet nicht mehr Wild zulassen, als es die Kulturlandschaft verträgt. Durch diese Hegeverpflichtung muss der Jäger den Lebensraum der Wildtiere auch erhalten und wiederherstellen.

In vielen Bereichen hätten wir ohne die Jägerschaft geringere Dichten von Tierarten, die als Verlierer der Kulturlandschaft gelten, wie etwa Feldhasen oder Rebhühner.

Wie wird Ihrer Meinung nach „die Jagd“ in Zukunft aussehen?

Es wird immer Jagd geben, die Frage ist aber, wie sie aussehen wird. In unserer Kulturlandschaft muss man Wildtiere töten. Es gibt immer irgendwo Konflikte, die etwa durch Gewinner der Kulturlandschaft wie Wildschweine ausgelöst werden. Und es muss jemanden geben, der mithilft, diese Konflikte zu lösen. Man muss sich als Gesellschaft einfach auch ethische Fragen stellen.

Solange wir Fleisch essen, ist Wildbret, das durch sachgerechte Tötung in freier Wildbahn aus der Region gewonnen wurde, meiner Meinung nach am hochwertigsten. Wenn man die Jagd ordnungsgemäß durchführt, ist es wirklich etwas Vorbildliches.

Jäger sind mit einem großen Privileg ausgestattet, da sie Tiere töten und eine Waffe tragen dürfen. Das sind Privilegien, die man nicht umsonst erhalten darf. Jagen ist eine Freizeitbeschäftigung, die niemand einfach nur zum Spaß machen sollte, sondern es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die auch Freude macht.