Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa
ehem. Präsident der International Union of Nutritional Sciences und Begründer der Ernährungswissenschaften der Universität Wien.

Ein Sprichwort besagt: Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein Edelmann und Abendessen wie ein Bürger. Was ist dran an diesem Spruch?

Bei diesem Sprichwort handelt es sich um eine alte Weisheit, die unterstreicht, wie wichtig das Frühstück als erste Mahlzeit des Tages ist. Dem Frühstück kommt deshalb eine so große Bedeutung zu, weil es dem Körper nach dem Aufstehen einen Leistungsschub gibt, quasi als eine Art Initialzündung fungiert. Selbstverständlich sind auch die restlichen Mahlzeiten des Tages wichtig, denn der Körper verbraucht ständig Energie, weshalb man die Energiezufuhr über den Tag verteilen soll. Aber mit dem Frühstück etwa um sieben Uhr morgens und einer kleinen Mahlzeit um zehn Uhr kann man bis zu 40 Prozent der Energiezufuhr des ganzen Tages abdecken. Deshalb ist ein gesundes und ausgewogenes Frühstück essenziell.

Wie sollte das richtige Frühstück demnach aussehen?

Entscheidend ist grundsätzlich eine vielseitige Ernährung. Ein ausgewogenes Frühstück sollte mindestens aus vier Lebensmittelgruppen bestehen: Erstens aus Milchprodukten, also Joghurt, Frischkäse oder einem Glas Milch, das liefert dem Körper Eiweiß und Kalzium. Zweitens aus Brot bzw. Getreideprodukten. Optimal sind hier Vollkornbrot oder auch Haferflocken für das Müsli. Damit versorgt man den Körper mit Kohlenhydraten und Mineralstoffen. Auch das tägliche Obst sollte als natürliche Zucker- und Vitaminquelle nicht fehlen. Ebenfalls wichtig sind Flüssigkeiten, um die Dehydrierung während der Nachtstunden auszugleichen. Das ideale Getränk ist sicherlich Wasser, aber auch Fruchtsäfte, Tee und Kakao sind adäquate Frühstücksgetränke.

Worauf sollte man am Frühstückstisch besser verzichten?

Schwere und deftige Speisen sollte man eher meiden. Das berühmte „English Breakfast” ist sicherlich kein optimales Frühstück. Ei sowie Fleisch- und Wurstprodukte sollten zumindest nicht täglich auf dem Frühstücksteller landen. Auch sollte der Kaffeekonsum nicht übermäßig sein. Anstelle einer zweiten Tasse sollte man ein Glas Fruchtsaft oder Wasser als Alternative wählen. Hektik und Stress haben ebenfalls nichts am Frühstückstisch verloren. Hier sollten Eltern Vorbild für ihre Kinder sein und Zeit für die Gestaltung einer gesunden gemeinsamen Mahlzeit aufbringen.

Viele Menschen haben morgens kaum Zeit, ein ausgewogenes Frühstück zu sich zu nehmen. Welche Ernährungstipps können Sie in diesem Fall geben?

Wenn wirklich keine Zeit zum Frühstücken bleibt, sollte man zumindest die erste Arbeitspause dazu nutzen, etwas Gesundes zu sich zu nehmen, etwas Obst oder ein Joghurt. Man sollte auf keinen Fall bis zur Mittagspause warten. Denn bis dahin ist der Hunger so groß geworden, dass man zu viel isst und die eigene Leistungskurve danach abfällt.