Zwischen Mensch und Hund besteht schon seit langem eine besondere Sozialbeziehung. Warum?

Der Wolf wäre ohne den Menschen nie zum Hund geworden. Die Entwicklung des Wolfs zum Hund ermöglichte ihm, in eine ökologische Nische zu passen, die sich für diese Spezies als sehr erfolgreich herausstellte. Sowohl Mensch als auch Hund hatten von Anbeginn Vorteile von ihrer Kooperation. Der Mensch hatte einen Bewacher und Begleiter und der Hund jemanden, der ihn z.B. mit Nahrung versorgte. Für beide Partner war das eine gute und gewinnbringende Beziehung.

Wie kommunizieren Mensch und Hund heute? Oder anders gefragt: Wie „spricht“ ein Hund?

Ein Hund spricht vordergründig über seine Körpersprache, auch wenn er Belllaute von sich gibt, die natürlich ebenso eine Bedeutung haben. Er spricht u.a. über die Gesichtsmimik, die Rute und über sogenannte Beschwichtigungs- und Beruhigungssignale. Der Hund hat eine sehr feine Mimik, über die er verschiedene Dinge ausdrücken kann. Das reicht von Unbehagen bis zur Freude.

Wir Menschen haben unsere Sprache entwickelt und gehen oft davon aus, dass der Hund diese automatisch versteht. So können Missverständnisse entstehen, denn der Hund muss erst lernen, was bestimmte menschliche Laute bedeuten.

Was sind nun die zentralen Eckpfeiler einer guten Kommunikation zwischen Mensch und Hund?

Wir können vom Hund nicht erwarten, dass er tausende Wörter lernt. Wir Menschen sind aber sehr wohl in der Lage, die Körpersprache des Hundes etwa über Stresssignale, Körperspannung etc. zu interpretieren – und das ist sehr wichtig!

Ist die Körpersprache bei jedem Hund gleich?

Nein, nicht unbedingt. Es gibt eine allgemeine Sprache, die in etwa bei allen Hunden gleich ist und dann gibt es Feinheiten, die sich leicht von Rasse zu Rasse unterscheiden. Das ist wie eine Sprache mit unterschiedlichen Dialekten.

Stichwort Hundeschule: Sie stehen für ein tierschutzgerechtes und positives Hundetraining. Was kann man sich darunter vorstellen?

Die zentrale Frage ist: Wie kann ich es bewerkstelligen, dass mein Hund bestimmte Verhaltensweisen zeigt? Möchte ich ihn dazu zwingen oder möchte ich seine Kooperation? Wenn ich den Hund zwingen will, dann kann ich nur mit gewalttätigen Methoden arbeiten und ihn unterdrücken à la: „Ich bin der Rudelchef!“ Aber das ist absoluter Unsinn, weil es keine Hierarchie zwischen Tieren verschiedener Spezies geben kann.

Es hat noch nie ein Affe ein Wolfsrudel angeführt! Das gibt es in der Natur nicht und das gilt auch für die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Der Hund ist für uns ein sozialer Partner! Wir müssen ihm natürlich beibringen, wie er sich sicher in unserer Welt bewegt, ohne dass er sich oder andere gefährdet. Es geht also darum, dem Hund zu zeigen, dass es in seinem Interesse ist, das zu tun, was ich möchte.

Und wie kann man das schaffen?

Das geht über positive Verstärkung. Wenn der Hund etwas tut, was mir gefällt, dann belohne ich das mit Lob, Spiel oder Futter. Stelle ich diese Verknüpfungen sehr oft her, dann wird der Hund das Verhalten immer öfters zeigen. Wenn ich etwas nicht möchte, dann werde ich ihm etwas Alternatives beibringen. Es ist im Grunde relativ einfach! Ob es Trailen, Longieren oder Bodenarbeit ist, es gibt so viele Möglichkeiten, mit dem Hund etwas gemeinsam zu unternehmen.

Und es ist wunderschön, wenn ein Hund dabei freudig arbeitet. Dann glänzen die Augen und er hat einen aufrechten und selbstbewussten Gang. Leider wird das Hundetraining oft missverstanden. Wenn mit einem Hund nur über Zwang, Schimpfen und Strafe gearbeitet wird, erkennt man dies meist an einer geduckten Haltung. Das empfinde ich als sehr traurig!

Es geht also auch um eine andere Einstellung dem Hund gegenüber?

Ja, und es braucht einfach auch mehr Können! Man muss im Timing gut sein, eine Idee von Lerntheorie haben und wissen, wann Hunde überhaupt in der Lage sind, zu lernen. Was viele Menschen nicht wissen oder verstehen, ist, dass sich ein Hund bei permanentem Stress irgendwann einmal wehren muss.

Man kann einen Hund eine Zeit lang unterdrücken, aber irgendwann kommt der Moment, wo es kippt und er nicht mehr kann. Meistens bekommen wir solche Hunde erst viel zu spät in die Verhaltensberatung und Probleme müssen dann mit viel Geduld und Wissen mühselig behoben werden.