Nach einer langen und intensiven Saison standen für Sie u.a. der sechste Gesamt-Weltcupsieg in Folge sowie zwei WM-Goldmedaillen zu Buche. Wie haben Sie das alles physisch und psychisch verarbeitet?

Die Saison hat viele Ressourcen gekostet, es ist für mich auch nicht mehr so wie es mit 18 oder 20 Jahren war. Ich merke einfach, ich habe nicht endlos Energie. Außerdem hatte ich im Winter kaum die Zeit, wirklich zu realisieren, was da eigentlich los war. Das Ganze mental zu verarbeiten dauert länger als die physische Komponente. Zwei Monate Zeit und ich war körperlich wieder voll auf dem Dampfer. Das hat tadellos funktioniert.

Wie sah Ihr Sommertraining aus?

Vor dem Schneetraining, das Anfang August losging, war der Sommer geprägt von aktiver Erholung. Ich habe darauf geschaut, dass ich meine Akkus wieder auflade. Ich war im Urlaub zehn Tage auf den Seychellen – dieser Trip war wirklich die Reise wert!

Im Frühjahr und Sommer hat es mich nach draußen gezogen, ich war oft in den Bergen unterwegs. Außerdem habe ich Dinge gemacht, die schon lange auf meiner To-Do-Liste gestanden haben. Ich habe diesen Sommer einige Abenteuer erlebt und tolle Erfahrungen und Erinnerungen gesammelt.

Was waren Ihre abenteuerlichen Highlights in diesem Sommer?

Für mich als „Berggams“ ist es eine tolle Erfahrung und ein Abenteuer, die Welt unter Wasser zu erleben. Unterzutauchen und einen Hai oder einen Rochen im Meer schwimmen zu sehen, das ist für mich immer noch etwas ganz Besonderes. Derzeit bin ich noch beim Schnorcheln, aber ich möchte mich an das Tauchen mit Sauerstoffflasche herantasten.

Auch die erstmalige Besteigung der Bischofsmütze war eine tolle Erfahrung. Das passt zwar eigentlich gar nicht so ins klassische Trainingsprogramm, war aber ebenso ein Highlight wie mein Besuch des Tomorrow-Land-Festivals in den Niederlanden. Aus all diesen Erlebnissen konnte ich sehr viel Energie gewinnen, weil es Dinge sind, die ich normalerweise nicht mache.

Inwieweit hatte das auch Einfluss auf Ihre Saisonvorbereitung?

Ich versuche bewusst, Routinen zu brechen und die Dinge zu tun, für die ich in den vergangenen Jahren kaum oder gar keine Zeit hatte. Ich habe jetzt zehn Jahre Weltcup hinter mir und dafür musste ich jahrelang sicherlich alles dem Skisport unterordnen. Mittlerweile nehme ich mir auch Zeit für andere Dinge. Das Leben besteht schließlich aus mehr als nur aus blauen und roten Staberln!

Für mich ist gerade dieses Brechen mit manchen Routinen die große Challenge, um frisch zu bleiben. Würde ich alles genauso machen wie in den vergangenen Jahren, würde mir die Abwechslung fehlen. Ich habe in diesem Jahr länger ohne großen Plan Sport gemacht, also kein Training mit Fokus auf Leistung, Leistung, Leistung.

Haben Sie das Gefühl, aufgrund Ihrer Fokussierung auf den Skisport in den letzten Jahren etwas versäumt zu haben?

Ein schlechtes Gewissen oder das Gefühl, dass etwas wegen des Sports auf der Strecke geblieben sein könnte, hatte ich nie. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass alles, was ich für das Skifahren gegeben habe, es auf alle Fälle wert war! Aber mittlerweile kommen neben dem Skisport mehr und mehr andere Interessen hinzu. Und die Gewissheit ist da, dass ich Skifahren darf, aber nicht muss.

Nach all Ihren Erfolgen, wie gelingt es Ihnen da, sich für die neue Saison zu motivieren?

Die Freude an dem Ganzen muss einfach groß sein. Und man darf nicht vergessen, es ist ja etwas Geniales, was ich da mache! Dieser Gedanke steht immer im Vordergrund. Ich habe in meinen bisherigen zehn Jahren im Weltcup sehr viel erlebt und diese Zeit auch immer sehr genossen. Mein Ziel ist es, die Vorbereitung jetzt so gut wie möglich zu absolvieren und dann die Saisonziele zu ordnen.

Was nach der kommenden Weltcup-Saison passiert, wird man sehen. Ich kann ja von Jahr zu Jahr entscheiden, wie es weitergehen soll. Ich glaube, den Punkt, an dem es mich nicht mehr freut zu fahren, den würde ich in jedem Fall spüren. Aber dieser Punkt ist definitiv nicht da, ganz im Gegenteil!