Warum ist es so wichtig, sich genügend Zeit für die Wahl der Ausbildung zu lassen?

Die Berufswahl ist keine Momententscheidung, sondern ein Prozess. Das zeitliche Engagement und das Auseinandersetzen mit den unterschiedlichen Möglichkeiten helfen dabei, eine Ausbildung zu wählen, die zur Person passt. Das hat den Vorteil, dass man lieber dabei bleibt. Man hat mehr Freude und auch mehr Erfolg. Aber der Arbeitsmarkt ist heute dynamisch, man kann sich später noch umorientieren. Die Berufswahl ist keine Einbahnstraße.

Welche Faktoren sind bei der Berufs- und Ausbildungswahl generell wichtig?

Die Berufswahl soll nach wie vor mit den persönlichen Stärken, Talenten und Interessen zusammenpassen. Wichtig ist auch, dass man Unterstützung findet, etwa beim Arbeitsmarktservice oder bei anderen Einrichtungen wie der Wirtschaftskammer. Jugendliche sollten außerdem in Betrieben schnuppern, erste Praxis erwerben und sich mit älteren Freunden austauschen, die bereits in Ausbildung sind.

Wie kann ein junger Mensch herausfinden, welcher Beruf beziehungsweise welche Ausbildung zu ihm passt?

Ausschlaggebend ist, dass man sich bestmöglich informiert. Die Eltern spielen dabei eine sehr wichtige Rolle. Sie sollen einerseits mit Ratschlägen zur Seite stehen und den Jugendlichen andererseits genügend Freiraum lassen. Eltern haben oft ein Bild im Kopf, das vielleicht gar nicht mit dem Ausbildungswunsch des Kindes zusammenpasst. Diese Toleranz sollten Eltern aber aufbringen.

Kommen viele Jugendliche zu Ihnen, die noch gar keine Zukunftsperspektiven haben?

Das gibt es auch. Manche tun sich einfach schwerer und sind orientierungslos. Ihnen bieten wir nach der Pflichtschule die Möglichkeit, über die innerbetriebliche Lehre in die Berufswelt zu schnuppern. Diese Option ist mit einem längeren Berufsorientierungsprozess verbunden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Berufsinformationszentrum zu besuchen?

Sehr positiv ist, dass es mit Ausnahme in den AHS in der 7. und 8. Schulstufe die verpflichtende Berufsorientierung gibt. Das ist auch grundsätzlich das richtige Alter. Die Berufsorientierungslehrer kommen direkt mit den Schülern in die Berufsinformationszentren des AMS.

Wie unterstützt das AMS Tirol die Jugendlichen konkret?

Wir bieten beispielsweise Interessentests an. Darüber hinaus haben wir ein breites Informationsangebot im Internet wie den Karrierekompass oder das Arbeitszimmer. Zusätzlich gibt es Einzelberatungen.

Welchen Tipp geben Sie jungen Menschen, die sich grundsätzlich für einen Lehrberuf interessieren?

Fakt ist, dass fast die Hälfte der Mädchen zwischen nur drei Lehrberufen wählt. Bei den Burschen ist es ähnlich, aber etwas besser. Wir weisen immer wieder darauf hin, dass es bei den Lehrberufen ein sehr breites Angebot gibt. Darüber hinaus können sich junge Menschen für Lehre mit Matura entscheiden. Eine weitere Möglichkeit ist, im Anschluss an die reguläre Matura eine Lehrausbildung zu absolvieren. Das hat den Vorteil, dass die Lehrzeit in diesem Fall verkürzt ist.