Leidenschaft Extremsport

Wenn andere mich fragen, was den Reiz von Extrem- oder Ausdauersport ausmacht, dann schwärme ich davon, wie sehr ich es liebe, etwas Besonderes zu machen und meinen Körper und Geist vor tatsächlich großen Aufgaben zu stellen. Ich spreche davon, dass quer durch die USA oder Russland radzufahren nicht eine Sache für Jedermann (oder –frau) ist, doch dass ich für mich persönlich aus diesen Abenteuern Kraft schöpfe in meinem Leben. Abenteuer also? Ja, sicherlich. Ist Wagemut gefragt? Durchaus, denn große Projekte muss man zuerst einmal verinnerlichen und sie wagen wollen.

Ist Extremsport lebensgefährlich? Nun ja, hängt davon ab, welcher. Und noch mehr hängt davon ab, mit welcher Geisteshaltung man ein Abenteuer angeht. Ich behaupte: Kein Extremsportler, keine Extremsportlerin wird es darauf anlegen, bei seinen oder ihren Touren umzukommen. Der Umstand, sich in einem Grenzbereich zu bewegen, dort, wo der nächste Fehler der letzte sein könnte, macht indes sicherlich einen Teil der Faszination „Extremsport“ aus.

Die Gefahr is immer gegenwärtig

Ich muss gestehen, dass ich auf diesen Reiz gerne verzichten kann. Was im Umkehrschluss nicht heißt, dass nicht auch ich meine Komfortzone verlassen muss, nein: will! Beim Race Across America brach ich mir bei einem Sturz das Schlüsselbein und fuhr doch noch auf das Podest. Während der Russlanddurchquerung „coast2coast“ wurde ich von einem Autolenker über den Haufen gefahren und beendete mein Vorhaben dennoch. Beide Unfälle hätten mir, flapsig formuliert, auch zu Hause in Oberösterreich passieren können.

Outdoor-, Abenteuer- und Extremsport sind Zauberwörter in einer übertechnologisierten und überorganisierten Welt. Nichts kann uns erschüttern, weil alle Eventualitäten bereits geschehen oder zumindest durchgespielt sind. Weil das Leben von uns allen in sehr geordneten Bahnen verläuft, kommt ein paar Tagen in der Natur, dort, wo es keinen Internet-Hotspot, kein fließendes Wasser, kein Matratzenlager gibt, fast schon heroische Bedeutung zu. Und das ist auch gut so – weil sie uns aktiv werden lassen, unser Bewusstsein erweitern, uns mit neuen Eindrücken zurück in den Alltag führen.

Grenz neu definieren

Es hängt von jedem einzelnen, von jeder einzelnen ab, den richtigen Outdoor- oder Abenteuer- oder Extremsport zu finden. Ich persönlich hatte Visionen und Träume, und weil sich einige von diesen immer wiederholten und nicht ein vorübergehender Wunsch blieben, entwickelten sich daraus Ziele. Wer Ziele vor Augen hat, fühlt sich inspiriert und findet die Motivation, dafür zu arbeiten: beispielsweise eine Stunde früher aufzustehen, um laufen oder radfahren zu gehen oder um sich mit der betreffenden Materie tiefer auseinanderzusetzen. Während meines „Seven Summits“-Projekts las ich beispielsweise Unmengen an Fachliteratur zu den sieben höchsten Gipfeln der Kontinente.

Letztlich sind unsere Gedanken der Ausgangspunkt all unserer Taten. Wenn wir glauben, dieses oder jenes erreichen zu können oder zu wollen, dann werden wir es auch schaffen. Vorausgesetzt, man bleibt realistisch. Ein 60-kg-Mann wird kaum Sumo-Großmeister, und eine 1,50 m zierliche Frau kaum Hochsprung-Weltrekordlerin. Wenn wir aber glauben, unsere (realistischen) Ziele nicht erreichen zu können, dann werden sie auch in weiter Ferne bleiben. „Die Kraft der Gedanken“ nennt sich mein letztes Werk, und der Titel ist Programm. Große Leistungen der Menschheit, wie auch jene im Abenteuer- oder Extremsport, haben ihren Ausgangspunkt auf intellektueller Ebene. Als der britische Alpinist George Mellory gefragt wurde, warum er unbedingt auf den Mount Everest wolle, antwortete er eigentlich banal: „Weil er da ist.“

Es liegt in der Natur des Menschen, das zu machen, was von den Möglichkeiten her machbar ist, wie immer tiefer zu tauchen, weiter zu fahren, länger zu laufen. Und wenn wir einen Gang runterschalten: einfach ein paar Tage in ungewohnten Verhältnissen und eventuell unbewohnten Gebieten zu verbringen. Wir setzen Körper und Geist neuen Reizen aus, und daran wachsen wir.

In diesem Sinne: viele schöne, erfolgreiche, wagemutige und gefahrlose Erlebnisse in der Natur, bei Ihrem Sport!

Ihr Wolfgang Fasching