Wie bist du zu der Bezeichnung „Curvy Model“ gekommen?

Ich war als Jugendliche schon immer größer und „kurviger“ als die anderen Mädchen in meinem Jahrgang. Nicht übergewichtig, aber körperlich anders entwickelt, was mir jahrelang stark zu schaffen gemacht hat. Ich wollte immer so dünn und zierlich sein, wie die anderen Mädchen. Mit 17 habe ich mit ungesunden Diäten angefangen und rapide Gewicht verloren. In diesem Zeitraum hat ein mich ein professioneller Fotograf „entdeckt“ und ich habe angefangen als „normales und dünnes“ Model zu arbeiten.

Trotz 57 Kilo auf 1,77 m Körpergröße hatte ich immer noch zu viele Kurven auf Hüfte und Brust und hätte weiter abnehmen sollen. Das hat nicht mehr funktioniert und nach der Erkenntnis, Essprobleme zu haben, habe ich wieder auf meine natürlichen Körperproportionen zugenommen und bin vom Straight Size Model zum Curvy Model gewechselt. 

Hattest du in deiner Jugend Selbstzweifel und wenn ja, welche?

Ich befürchte, es gehört dazu, als Teenager Selbstzweifel zu haben. Der Körper verändert sich, die Hormone ärgern einen und man muss sich selbst erstmal finden. Das war bei mir genauso wie bei allen meinen Freunden! Ich hab mich immer viel zu groß und wohlgeformt gefunden. Sogar für meine Brüste geschämt!

Mir hat es geholfen, darüber mit Freunden zu reden und festzustellen, dass jeder seine Unsicherheiten hat. Zusammen geht es viel leichter, herauszufinden, was man schön an sich selbst findet und mit welchen Mittelchen man das hervorheben kann, um sich wohlzufühlen. Ich mag mein Lächeln und betone das gern mit einer knalligen Lippenstiftfarbe – dadurch fühle ich mich wohl.

Wie würdest du „die Frau von heute“ beschreiben?

Für mich gibt es keine passende Definition von „der Frau von heute“. Die sozialen und kulturellen Bedingungen haben sich stark verändert und Frauen sind alles, mit vielen verschiedenen Facetten; wir lassen uns nicht verallgemeinern! 

Frauen sind stark, laut, individuell, ruhelos, besonnen, stylisch, rebellisch, liebevoll, natürlich, bunt, zielstrebig, selbstständig und selbstbewusst. Und das mal mehr und mal weniger! Immerhin sind wir Frauen und die Hormone tanzen uns manchmal gut auf der Nase rum! 

Was bedeutet für dich „curvy“?

Für mich stellt „curvy“ ein Oberbegriff für eine Frau mit gesunden, weiblichen Körperproportionen dar. Egal, ob Konfektionsgröße 36 oder 44! Optisch passt die Sanduhrfigur am besten als Beschreibung: Schultern, Brust und Po ähneln sich in den Maßen, die Taille dagegen ist deutlich schmaler.

Ich finde es jedoch beunruhigend, dass gerade auf sozialen Plattformen wie Instagram auch ungesunde und übergewichtige Körper als „curvy“ bezeichnet werden, als Art positive Rechtfertigung. 

Jeder soll sein eigenes Maß an Schönheit und Wohlbefinden ausleben können. Jedoch ist zu viel ebenso wie zu wenig Gewicht ungesund und sollte nicht mithilfe des Begriffs von „curvy“ beschönigt werden. Gesundheit steht an oberster Stelle! 

Wie gehst du mit dem Thema Sport & Ernährung um?

Ich ernähre mich ausgewogen und versuche, mindestens zweimal die Woche Sport zu machen und mich ordentlich dabei auszupowern. Außerdem liebe ich alle möglichen Beeren und Nüsse und habe immer welche in meiner Tasche für unterwegs dabei.  

Aber im Grunde höre ich, worauf mein Körper Lust hat. Das kann mal eine riesige Portion Pommes oder eine leckere gesunde Gemüsepfanne sein. Aktuell habe ich Lust, meinen Körper eine Detox Saftkur zu gönnen und für ein paar Tage auf feste Nahrung zu verzichten.

Dein Lieblingsessen?

Alles was mit Pasta und Käse zu tun hat! Am liebsten überbackene Aufläufe! Ich bin aber auch ein großer Fan von asiatischen Nudelsuppen wie Pho und Ramen.

Wie motivierst du dich beim Einkauf, wenn die Jeans einmal kneifen?

Ganz einfach, ich nehme eine größere Größe! Wichtig ist zu wissen, dass jede Jeans in ihrer Größe und im Material verschieden ausfällt. Ich habe sogar ein und dieselbe Hose in zwei verschiedenen Größen daheim und sie passen beide perfekt! Deswegen darf man sich auch nicht auf Zahlen fokussieren – weder auf der Waage, noch bei Kleidergrößen! Es muss passen und sich gut für einen selbst anfühlen – darauf kommt es an!

Einen Tipp, den du jungen Menschen zum Thema „Selbstbewusstsein“ mitgeben möchtest?

Selbstbewusstsein fängt mit Selbstakzeptanz und geht weiter in Selbstliebe. Selbstbewusst zu werden ist ein Prozess, den man lernen kann und der einen ein Leben lang mit Höhen und Tiefen begleiten wird. Am Wichtigsten ist, dass ihr euch selbst gut tut mit Dingen, die ihr mögt! Behandelt euren Körper wie einen Tempel.

Verzichtet nicht auf Dinge, die ihr mögt, sondern probiert, einen guten Ausgleich zu finden. Stellt euch vor den Spiegel, schaut euch von Kopf bis Fuß an und findet heraus, was euch besonders gut an euch selbst gefällt! Schreibt es auf und überlegt euch, wie ihr die Körperpartie hervorheben könnt. Hierbei ist alles erlaubt, vom breiten Lächeln bis zum Gürtel in der Taille.

 

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